KINDERKOMMAZUKUNFT Was tun für die Zukunft unserer Kinder ?!

Antwort auf den „offenen Brief an alle Schulleitungen“

A

Offener Brief an alle Schulleitungen – auch an meine Eigene

Das war die Antwort meines Schulleiters auf den „Offenen Brief an alle Schulleitungen – auch an meine eigene“:

„Vorbemerkung: Wir haben zwar gefühlt viele muslimische Schüler, diese sind aber sehr unterschiedlich, beispielsweise Türken und Libanesen und Iraner und Pakistani und Bosnier und Albaner. Hier muss man stark unterscheiden. Die wenigsten tragen allerdings ein Kopftuch.

Zu Frage 1: Wie reagieren wir als Schule auf die Situation, dass ein muslimisches Mädchen nicht am Sportunterricht bzw. am Schwimmunterricht teilnehmen darf und wie oft kommt dies bei uns vor?

In meinen 10 Jahren als Schulleiter hat es viele Musliminnen an unserer Schule gegeben. Keine hat nicht am Sportunterricht teilgenommen. Mir ist ein Fall bekannt, wo eine Schülerin mit pakistanischem Hintergrund nicht schwimmen wollte (die Schülerin !) Die Eltern haben extra einen Burkini gekauft und sie sollte am Schwimmunterricht teilnehmen, aber sie hatte wohl extreme Wasserangst und es hat nicht weiter funktioniert, als dass sie gerade so im Wasser stand. Aber sie hat damit am Schwimmunterricht teilgenommen. Hinsichtlich des Sportunterrichts vertrete ich seit Jahren die Auffassung, dass aus Sicherheitsgründen dies nur ohne Kopftuch geht. Das wird von den Musliminnen akzeptiert. Im Sportunterricht trägt niemand Kopftuch.  Frage 1 ist also echt kein Thema an unserer Schule!

Zu Frage 2: Welche Haltung nimmt die Schule ein, wenn muslimischen Mädchen die Teilnahme am Schullandheim durch das Elternhaus verwehrt wird? Wie oft tritt dieser Fall ein?

Es gibt nur ganz gelegentliche Einzelfälle, dass Schüler nicht am Schullandheim oder der Studienfahrt teilnehmen. Etwa – das sage ich aus dem Handgelenk heraus – in 10 Jahren etwa alle 2 Jahre ein Schüler. Nicht unbedingt nur Mädchen bzw. Musliminnen. Da gibt es durchaus verschiedene Ursachen. Die Zahl der am Schullandheim teilnehmenden Musliminnen ist also deutlich größer als die der nicht teilnehmenden. Dann wird jeweils ein „vertrauensbildendes“ Gespräch des Klassenlehrers mit den Eltern geführt und es wird verdeutlicht, dass ein Schullandheim bei uns dazugehört. ABER ich will auch nicht verschweigen, dass wir gerade in Kl.11 ein Kopftuchmädchen haben, dass nicht zur Studienfahrt im nächsten Jahr mit will / darf.

Zu Frage 3: Gibt es Gesprächsangebote an Mädchen, die eines Tages an der Schule mit Kopftuch erscheinen? Werden sie zum Beispiel gefragt, warum sie es tragen?

Es gibt so wenig Mädchen, die ein Kopftuch tragen, dass ich keine Veranlassung bisher gesehen habe, darüber ein Gespräch zu führen. Ich verstehe hier Toleranz tatsächlich so, dass ich denke, das Kopftuch ist diesen Familien sehr wichtig. Und wir haben als Schule nicht die Aufgabe, in Familien hineinzuwirken, es sei denn, es läge eine Kindeswohlgefährdung vor. Und ob ein Kopftuch bei einem in D lebenden muslimischen Mädchen eine Kindeswohlgefährdung ist, darüber können wir gerne mal in Ruhe reden, mit einer Tasse Kaffee. Ich glaube, da gibt es viele Aspekte in diesem Thema, z. B. auch den: „Ich bin stolz, jetzt eine Frau zu sein.“

Abgrenzen möchte ich dies aber vom Thema „Burka“: Wir haben einen GLK-Beschluss, den ich herbeigeführt habe, dass Burka in unserer Schule nicht geht – aus pädagogischen Gründen (Kommunikation !!). Aber wir hatten noch nie einen Burkafall.“

Der email ist dann noch ein Gespräch mit meinem Schulleiter und der der stellvertretenden Schulleiterin gefolgt. Wir haben beschlossen die Frage 3 im Rahmen der ersten Gesamtlehrerkonferenz im kommenden Schuljahr anzusprechen. Wir waren uns dabei aber auch einig, dass es hier nicht um eine Diskussion über den Islam selbst geht, sondern dass es hier um das Thema Frauenrechte geht. Sowohl ich, als auch meine Schulleitung wollen also nicht über das Tragen des Kopftuchs an sich urteilen. Es geht ausschließlich darum, dass Mädchen an unserer Schule die gleichen Freiheiten und Möglichkeiten haben sollen wie Jungs.

Ansonsten bin ich meinen beiden Schulleitern/innen sehr dankbar dafür, dass sie sich Zeit genommen haben für dieses Thema. Es scheint, als wäre die Thematik an meiner Schule kein sehr großes Problem. Darüber bin ich froh. Sicherlich sind wir diesbezüglich als Gymnasium auf dem Lande aber auch etwas begünstigt. Aus Berichten von Kollegen/Kolleginnen an anderen Schulen kann man heraus hören, dass dort die Herausforderung, passende Antworten auf diese Fragen zu finden, größer ist.

About the author

Add comment

By Dag
KINDERKOMMAZUKUNFT Was tun für die Zukunft unserer Kinder ?!

INHALTE

Dag

Jante

Kategorien

Neueste Beiträge

Folge uns