KINDERKOMMAZUKUNFT Was tun für die Zukunft unserer Kinder ?!

Bundestagswahl 2017: Das Dilemma mit den Kindern.

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Am Wochenende waren wir mit unseren Kindern auf einer Hochzeitsparty. Ein lauer Sommerabend an einem idyllischen Fleckchen inmitten Berlins mit strahlenden, glücklichen Menschen ob jung oder alt. Eine Horde Kinder trug ganz wesentlich zur Idylle bei. „So muss das sein“, sagt eine Freundin zu mir, „das ist Leben“, stimme ich ein und gemeinsam beobachten wir genüsslich die spielenden Kinder.

Am nächsten Tag im Volkspark das Kontrastprogramm. 30 Grad und zwei überhitzte Kinder, die sich abkühlen wollen – Im hübschen Märchenbrunnen. Das Jauchzen der Kinder wird von missbilligenden Blicken „einer Horde“ Rentner begleitet. Einer nach dem Anderen kommt mit dem Rollator rübergerollt und hält mir eine Standpauke. Der Dritte droht mir mit dem Ordnungsamt. „Alter“, rutscht es mir raus  „siehst du nicht das Leben vor dir?“

Also ehrlich, ein Land ohne Kinder ist eine traurige Veranstaltung. Eine Vergreisung Deutschlands ist eine ganz und gar unattraktive Vorstellung. Die steht uns aber unausweichlich bevor wenn wir Deutschen weiterhin bei einer Geburtenrate von 1,5 Kindern bleiben. Ein Hoffnungsschimmer vermeldete letzte Woche das statistische Bundesamt. Der Anteil kinderloser Frauen in Deutschland in den vergangenen Jahren ist nicht weiter angestiegen und beträgt jetzt konstante 20%. Die Geburtenrate (korrekterweise Fertilitätsrate, ich schwenke ab jetzt um) von 1,5 Kindern pro Frau blieb ebenfalls konstant. Erfreulich: Speziell Akademikerinnen entscheiden sich wieder öfters für ein Kind. Scheinbar machen sich der Ausbau der Kleinkinderbetreuung der letzten Jahre und der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz bewährt. Nicht so erfreulich: Bei den deutschen Nicht-Akademikerinnen (ich bin auch eine davon) steigt die Kinderlosigkeitsquote nach wie vor (an mir kann liegt das aber nicht!) und wird lediglich durch die niedrigere Kinderlosigkeit der Zuwanderinnen ausgeglichen. Die aktuellen Zahlen sind zudem mit Vorsicht zu genießen, wenn man bedenkt dass heute die Töchter der Babyboomer Kinder bekommen und damit positiv ins Gewicht fallen. Die Babyboomer sind die geburtenreiche Nachkriegsgeneration der 60er Jahre. Seither ist die Fertilitätsrate stetig gesunken. Damit verringert sich auch die potentielle Anzahl der zukünftigen Mütter und führt in eine unaufhaltsame Abwärtsspirale.

In modernen Gesellschaften geht man davon aus, dass rechnerisch etwa 2,1 Kinder pro Frau geboren werden müssen, um die Bevölkerung langfristig auf einem konstanten Niveau zu halten. Davon sind wir also weit entfernt mit unseren 1,5 Kindern.

Der damit einhergehende demografische Wandel hat schwere Folgen für unser (sehr bald unbezahlbares) Sozialversicherungssystem und Rentensystem sowie für die Wirtschaft und die Siedlungsstruktur. Dort wo junge Menschen sind, wird nicht nur in Märchenbrunnen gebadet und Parties gefeiert, dort herrscht auch Unternehmergeist, gibt es Bildungsstätten, Jobs und wird gebaut. Viele Dörfer vergreisen schon heute und laufen Gefahr bald „schließen“ zu müssen.

Ich frage mich, haben wir Deutschen wirklich keine Lust mehr auf Kinder?

Warum hören wir nach 1,5 Kinder auf oder warum bekommt jede 5. Frau gar kein Kind? Liegt es wirklich an der Lust oder müssten nur neue zeitgemäße Möglichkeiten geschaffen werden?

Ich habe mir die Wahlprogramme angeschaut und die Familienpolitik der Parteien miteinander verglichen. Dabei habe ich fünf relevante Kernthemen herausgefiltert und Punkte verteilt. Die Themen sind Teilhabe & Teilnahme am öffentlichen Leben, flexiblerer Arbeitsplatz, Kinderbetreuung, finanzielle Unterstützung (insbesondere Familiensplitting) und alternative Familienmodelle / Zugang zu Reproduktionsmedizin.

Teilhabe & Teilnahme am öffentlichen Leben

Teilnahme am öffentlichen Leben setzt voraus, dass Kinder gerne gesehen sind. Teilhabe am öffentlichen Leben setzt voraus, dass man sich die Teilnahme am öffentlichen Leben mit Kindern leisten kann.

Den Stadtteil Prenzlauer Berg kann ich getrost als kinderfreundlich bezeichnen. An jeder Ecke einen Spielplatz und Kindercafés, Kindertheater und Bio-Eisläden en masse. Wie sieht das für Familien in anderen Stadtteilen, Städten oder auf dem Land aus ??? Die Frage geht an euch – bitte die Kommentarspalte füllen.

Wenn wir uns raus aus Berlin bewegen, nehmen wir meistens den Zug. Da fahren die Kinder vergünstigt, allerdings zusammengepfercht in einem Kinderabteil – das zu 99,9% aller Fälle ausgebucht ist. Es gibt genau eine Wickelmöglichkeit und genau ein Kleinkinderabteil im ganzen Zug. Wagt man sich in die erste Klasse oder in den Ruhebereich, ist man der Störenfried. Macht nicht so Spaß. In den jährlichen Sommerurlaub mit dem Flugzeug empfehle ich garnicht – Ab zwei Jahren bezahlt man für Kinder den vollen Preis.

Alle Parteien sprechen sich für ein familienfreundliches Deutschland aus. Die CDU/CSU möchte die gesellschaftliche Wertschätzung für Familien verbessern, indem ihre Teilnahme und Teilhabe bei öffentlichen und gesellschaftlichen Veranstaltungen gefördert wird. Mehr als bisher soll es Vorfahrt für Familien und Kinder in Behörden und Einrichtungen, beispielsweise an Flughäfen, Fahrkartenschaltern und Museen geben. Am Bemerkenswertesten finde ich den Vorschlag der Linken: Sämtliche öffentliche Güter wie Mobilität, Kultur und Freizeitangebote sollen Kindern kostenfrei zur Verfügung stehen.

1 Punkt für die Linke. Das ist ein echter Vorfahrtschein, ein klares Signal für ein kinderfreundliches Land und durch die finanzielle Entlastung ein Hindernis weniger für Menschen mit Kinderwunsch. Finanziert wird das natürlich – wie alles bei den Linken – durch Umverteilung. In diesem Fall finde ich das richtig, da Kinder am Ende allen Menschen unserer Gesellschaft die Zukunft sichern.

Flexiblerer Arbeitsplatz

Mein Mann und ich profitieren aktuell sehr von der Flexibilität, die uns unsere Arbeitgeber ermöglichen. Ich arbeite Vollzeit und mein Mann hat um 10 Wochenstunden reduziert. Wir haben beide einen hohen Gestaltungsspielraum in unseren Arbeitszeiten, arbeiten in Gleitzeit und in einer flexiblen Wochenarbeitszeit. Home Office ist auch immer eine Option. Durch diese Freiheiten kann ich wiederum viele Dienstreisen machen und werde den Anforderungen meines anspruchsvollen Jobs weiterhin gerecht – auch als Mutter von zwei Kleinkindern. Oma & Opa haben wir übrigens nicht vor Ort, wir stemmen das alleine. Ja, richtig erkannt. Da bin ich stolz drauf.

Dass ein flexibler Arbeitsplatz Möglichkeiten schafft und Hürden abbaut, scheint zu den Parteien durchgedrungen zu sein. Fast alle schreiben sich das auf die Fahne. Ein Anspruch auf Home Office, Telearbeit, Nutzung der technischen Möglichkeiten von heutzutage, Gleitzeit und Betriebs-Kitas. Bis auf die AfD fordern das alle für die Zukunft. CDU/CSU und FDP wollen das Flexi-II-Gesetz (Link zur Auswertung, Resumé auf Seite 23) verbessern und  transparenter machen, damit die Menschen im Rahmen von Lebensarbeitszeitkonten mehr Freiräume und Flexibilität für ihr Arbeitsleben gewinnen. Alle Parteien sprechen sich für verstärkte Hilfe beim beruflichen Wiedereinstieg nach der Kinderpause aus. CDU/CSU, SPD und die Grünen wollen dafür einen Rechtsanspruch auf befristete Teilzeit einführen.

Jeweils einen Punkt für alle Parteien bis auf die AfD, die dieses Thema nicht im Fokus hat.

Kinderbetreuung

So langsam bekomme ich das Gefühl, der Eine schreibt vom Anderen ab. Wiederum alle Parteien bis auf die AfD fordern wortgleich einen gesetzlich festgeschriebene Erweiterung und Verbesserung der Betreuungseinrichtungen. Betreuungsschlüssel, Ausstattung und Öffnungszeiten sollen bedarfsgerecht optimiert werden. Im gleichen Zuge soll die Ausbildung zum Erzieher / zur Erzieherin verbessert werden und die Wertschätzung dieser Gruppe durch eine angemessene Bezahlung gesteigert werden. Das finde ich absolut gerechtfertigt, ich bin jeden Tags aufs Neue begeistert von der pädagogischen Arbeit und vorallem der Geduld der ErzieherInnen in unserer Kita. Und gleichzeitig schockiert darüber, dass fast alle nebenher noch Babysitten. Das ist nicht fair und grenzt an Ausbeutung. Die Linke will den Mindestlohn für soziale Berufe auf 14,40 € hochsetzen. Gleichzeitig die Kita-Gebühren abschaffen – gemeinsam mit der SPD und den Grünen. Das würde eine doppelte Belastung für den Staat bedeuten.

In Berlin kommen wir mittlerweile in den Genuss einer kostenfreien Kita dank der roten Regierung. Das ist natürlich schon nett. Ich wäre allerdings auch bereit dafür etwas zu bezahlen – ich kann ja dadurch auch arbeiten gehen. Mir geht es dabei um die oben genannte Wertschätzung gegenüber der ErzieherInnen. Wenn man etwas umsonst bekommt, schätzt man seinen Wert viel weniger als wenn man etwas dafür bezahlt. Vom Einkommen und der Kinderanzahl abhängige Kita-Gebühren finde ich ok.

Nach dem durchgesetzten Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz soll nun der Rechtsanspruch auf Betreuung im Grundschulalter folgen, dafür setzten sich die CDU/CSU, die SPD und die Grünen ein. Das macht Sinn, da Eltern aktuell vor einer organisatorischen Herausforderung stehen wenn ihre Kinder in die Schule kommen – und plötzlich die Ganztagesbetreuung wegfällt.

Die AfD geht einen anderen Weg in der Familienpolitik und sagt, „Kinder unter drei Jahren fühlen sich am wohlsten, wenn sie durch die eigenen Eltern betreut werden. Es muss wieder möglich sein, dass eine Familie mit kleinen Kindern von einem Gehalt leben kann, so dass die Eltern frei zwischen Berufstätigkeit oder Erwerbspause entscheiden können. Der Staat muss dafür die elterliche Betreuung genauso finanziell unterstützen wie Kitas und Tagesmütter.“ Das würde bedeuten, das Erziehungsgeld deutlich zu erhöhen, um eine Kinderpause von bis zu drei Jahren wieder attraktiver und vorallem möglich zu machen. Ich finde auch, dass Eltern diese Entscheidung selbst überlassen werden sollte. Ich widerspreche aber, dass die ultimative Betreuung grundsätzlich die der Eltern ist. In einigen Fällen trifft sicher sogar das Gegenteil zu. Wie die meisten Kinder hier im Berliner Stadtkern besuchen unsere Kinder seit sie ein Jahr alt sind die Kita. Ich empfinde die Kita als eine große Bereicherung in ihrem Leben und ersetzt vielleicht ein bisschen das frühere Leben in einer Großfamilie, die heute einfach nicht mehr existent ist aber sicher ein gutes „Kinderaufzuchtsmodell“ darstellte. Außerdem darf man nicht übersehen dass viele Mütter heutzutage nach dem Freiraum und Ausgleich streben, der ihnen die Arbeitswelt bietet.

Mein Punkt geht in diesem Fall an die CDU, ich würde mir aber wünschen dass sie die Staffelung der Kita-Gebühren noch einmal genau überprüft.

Finanzielle Unterstützung

Also zum Thema Elterngeld und Kindergeld und Sonst-Was-Geld hätte ich einfach nur einen Wunsch. Vereinfachen. Eine Auszahlungsstelle und einen Antrag – Für alles. Wie viele Anträge ich gestellt habe bei wievielen unterschiedlichen Behörden, weiß ich schon garnicht mehr. Es war auf jeden Fall nervenaufreibend, zeitverschwendend und so undurchsichtig dass ich heute noch nicht weiß ob ich eigentlich alle Mittel ausschöpfe.

Es gibt über 150 Familienleistungen – Elterngeld, Kindergeld, Kita-Zuschuss –, und das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung hat gerade erst berechnet, wie sich dieses Geld verteilt. Das Ergebnis war überraschend: 13 Prozent der Fördersumme landen bei den reichsten zehn Prozent der Familien, nur sieben Prozent bei den ärmsten zehn Prozent.

Entbürokratisierung und faire Verteilung ist damit meine Erwartungshaltung an die Parteien.

Entbürokratisieren will vorallem die FDP mit ihrem „Kindergeld 2.0“ und die Grünen mit ihrem „Familienbudget“, das sich aus nicht mehr als drei Komponenten zusammenstellt und von einer zentralen Stelle ausbezahlt werden soll. Die CDU/CSU denkt dagegen zur Vereinfachung noch eine weitere Behörde einführen zu müssen: „Eine Anlauf- und Auskunftsstelle für alle Familienangelegenheiten soll geschaffen werden, damit junge Familien bestmöglichst die Vielfalt der staatlichen Unterstützungsangebote in Anspruch nehmen können“. Puh, das klingt nicht nach Vereinfachung.

Ein erster Schritt in Richtung faire Verteilung wäre, aus dem Ehegattensplitting ein Familien- bzw. Kindersplitting zu machen. Also die steuerlichen Vorteile nicht an die Ehe sondern an die Kinder zu knüpfen. Als das Ehegattensplitting 1958 eingeführt wurde war es nichts anderes als ein Kindersplitting – nämlich eine Förderung von Familien, wie sie sich in den späten Fünfzigerjahren des vorigen Jahrhunderts darstellte: Ehe mit Kindern, Vater arbeitet, Frau kümmert sich zu Hause um den Nachwuchs. Die Ehe heute ist aber eine andere Ehe als vor sechzig Jahren. Den Normtypus von damals gibt es viel weniger, immer mehr Ehepaare leben bewusst kinderlos, immer öfter werden Ehen in einem Alter geschlossen, in dem an Nachwuchs nicht mehr zu denken ist. Spätestens mit der „Ehe für Alle“ sind Kinder nicht mehr das Kernelement einer Ehe. Außerdem wachsen immer mehr Kinder nicht in einer ehelichen Verbindung der Eltern auf. Angesichts dessen ist die steuerliche Bevorzugung der Ehe eine grobe Benachteiligung von Eltern jeglicher Konstellation.

Ein Kindersplitting wollen die SPD, die Grünen, die Linke und die AfD einführen. Dafür bekommen sie alle einen Punkt.

Die kinderbezogenen Leistungen wollen alle Parteien erhöhen, die CDU/CSU will in einem ersten Schritt das Kindergeld um 25,- anheben und dementsprechend den Kinderfreibetrag erhöhen. Langfristig soll er auf das Niveau des Erwachsenenfreibetrags angehoben werden. Das ist nicht zu vergleichen mit dem grünen „Familienbudget“ in Höhe von 12 Milliarden Euro. Daraus soll eine Grundsicherung von 300 Euro für jedes Kind pro Monat finanziert und die bisherige Förderung zu einer einheitlichen Leistung für alle Kinder zusammengefasst werden. Das Elterngeld soll zudem von 14 auf 24 Monate verlängert werden. Von dieser «Kinderzeit Plus» sollen Eltern flexibel profitieren können in dem es bis zum 14. Lebensjahr des Kindes erhältlich ist. Die Linke legt noch eins drauf und spricht von einer Soforterhöhung des Kindergeldes auf 328,-€ und dem langfristigen Ziel einer Kindergrundsicherung in Höhe von 573,- € pro Kind.

Bei so viel Geld kriege ich glänzende Augen. Wieder bei Sinnen, denke ich mir: Keine gute Idee. Für mich stellt sich die Frage wie und vom wem das Geld verwaltet werden soll damit es auch wirklich beim Kind ankommt. Ich will niemand etwas unterstellen aber mit 573,- kann man auch was anderes machen als dem Kind die Klassenfahrt, den Sportverein oder das Erlernen eines Musikinstruments zu finanzieren. Die FDP ist da ganz pragmatisch: „Falls Erziehungsberechtigte hier Geld zweckentfremden, ermöglicht der eigenständige Anspruch des Kindes, das Geld anderweitig verwalten zu lassen, zum Beispiel von Verwandten oder dem Jugendamt“. Aha. Kind beschwert sich beim Jugendamt über Mutti die das Geld nicht rausrückt? Utopie lässt grüßen und die FDP gleich mit.

Schon besser gefallen mir alle Vorschläge, die Geld an Leistungen knüpfen. Die Bildungsgutscheine der FDP zum Beispiel. Oder eben die Forderung der Linken, öffentliche Güter wie Mobilität, Kultur und Freizeitangebote für Kinder kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Die AfD will vor allem Familien mit unterdurchschnittlichem Einkommen finanziell entlasten und macht Vorschläge wie Ehe-Start-Kredite mit Teilerlassen für Kinder, einen längeren Anspruch auf Arbeitslosengeld I oder den Erlass der BaFöG-Rückzahlung für Studenten und Auszubildende, die während ihres Studiums bzw. ihrer Ausbildung oder kurz danach Eltern werden.

Auch das Baukindergeld der CDU/CSU ist eine gute Idee. Beim Erwerb von Wohneigentum soll jungen Familien geholfen werden, indem Baukindergeld in Höhe von 1.200 Euro je Kind über einen Zeitraum von zehn Jahren gezahlt werden soll. In ähnlicher Form sieht das auch  die SPD mit ihrem Familienbaugeld vor. Die AfD will Familien ebenfalls durch zinslose Darlehen, Zuschüsse und Erlass der Grunderwerbsteuer beim Hauserwerb unterstützen. Die FDP will bei der Grunderwerbsteuer einen Freibetrag für Familien von bis zu 500.000 Euro einführen.

Leistungsbezogene Entlastungen dieser Kategorie fallen mir noch einige ein. Ich denke an die Top 3 genannten Hindernisse meiner Freunde, wenn ich frage warum sie kein drittes Kind mehr wollen: „Wir bräuchten eine größere Wohnung, ein größeres Auto (diese Kindersitze heutzutage…) und könnten uns den Flug in den Sommerurlaub nicht mehr leisten.“ Das alles könnte man doch sinnvoll bezuschussen?!

Alternative Familienmodelle / Zugang zu Reproduktionsmedizin

In meinem letzten Artikel zur „Ehe für Alle“ forderte ich neben der existierenden Form der Ehe die VGfA – die „Verantwortungsgemeinschaft für Alle“ einzuführen. Bei meinem Studium der Wahlprogramme habe ich jetzt eine erfreuliche Entdeckung gemacht. Die Grünen, die Linke und die FDP fordern genau das.

Die Grünen wollen eine neue Rechtsform der elterlichen Mitverantwortung schaffen. Damit sollen alle Familienmodelle der heutigen Zeit (Regenbogen- und Patchworkfamilien, Alleinerziehende, Nichteheliche Beziehungen, Pflegefamilien) einen klaren Rahmen bekommen, der ihre Rechte und Pflichten benennt und ihre Familienform absichert.
Die Linke nennt es ein System der „Wahlverwandtschaften“, dass die Ehe ergänzen soll und womit sie Gleichberechtigung aller Lebensweisen schaffen wollen. Hierbei sollen nicht nur monogame Zweierbeziehungen Verantwortung füreinander übernehmen dürfen, sondern jegliche Gemeinschaft, die sich einander verbunden fühlt. Dies kann eine mehr als zwei Personen umfassende Beziehung meinen. Diesen Menschen ist ein umfangreiches Besuchsrecht im Krankheitsfall, Adoptionsrecht und Aussageverweigerungsrecht einzuräumen.
Die FDP will „Gleiche Pflichten, gleiche Rechte“ für alle Paare umsetzen und denkt dabei vorallem an das Adoptionsrecht und freien Zugang zur Reproduktionsmedizin.
Reproduktionsmedizin wie In-vitro-Fertilisation, Eizellenspende, Samenbank und Leihmutterschaft für unsere Gesellschaft rechtlich und finanziell zugänglicher zu machen, fände ich sinnvoll und zeitgemäß. Familienmodelle ändern sich, neue Formen des Zusammenlebens oder des Alleinlebens existieren. Und damit entsteht auch ein großer Bedarf an Reproduktionsmedizin. Auch durch sogenannte „Spätgebärende“. Mütter ab 35 sind der neue Standard. Ich kenne viele Paare mit unerfülltem Kinderwunsch, die sofort die Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin nutzen würden – wäre es finanzierbar für sie. Aktuell kostet eine In-vitro-Fertilisation 10.000 €, die drei Versuche beinhalten. Für eine Eizellenspende muss man illegalerweise nach Schweden reisen und eine Leihmutterschaft bekommt man in den USA für ca. 100.000€.
In meinem Freundeskreis entscheiden sich viele Frauen erst nach ihrem 35. Geburtstag für ein Kind. Aus beruflichen Gründen oder weil ihnen bis dahin der richtige Partner / die richtige Partnerin gefehlt hat. Manche haben ihn/sie dann immer noch nicht gefunden. Und fangen dann auch an, darüber nachzudenken ob sie ein Kind auch alleine großziehen könnten. Warum nicht? All meine Freunde würden tolle Eltern abgeben. Auch als Alleinerziehende oder als „Elterngemeinschaft“. Sie bräuchten nur die richtige Unterstützung.
Die AfD würde gerne die Zeit zurückdrehen und durch Aufklärung und Hilfen junge Menschen ermutigen und in die Lage versetzen, eine Familie zu gründen und zu erhalten. Die AfD will „das bewährte, traditionelle Familienbild“ bewahren und Umerziehungsversuche an Schulen stoppen. In Lehrplänen und Schulbüchern aller allgemeinbildenden Schulen sollten „anerkannte Regeln zu Partnerschaft und Familie, Haushaltsführung, Lebensschutz und Kindererziehung wieder fester Bestandteil werden“.
Ich glaube, das würde nichts bringen. Um das zu schaffen, müsste man meiner Meinung nach auch das Internet, das Fernsehen und Filme zensieren – es ist kein Thema dass sich auf Bildungsstätten reduziert.
Es ist ein Thema und eine Entwicklung unserer Gesellschaft und als solche zu akzeptieren. Die positiven Aspekte überwiegen dabei deutlich, auch wenn es bedeutet, dass weniger Kinder geboren werden. Ich möchte dass die Politik darauf pragmatisch reagiert und Lösungen entwickelt, die allen (fähigen) Menschen ein Leben mit Kindern ermöglichen – unabhängig vom Familienmodell- und auf diese Weise für mehr Kinder in unserer Gesellschaft sorgt.
Für diesen gewagten Vorstoß in punkto Reproduktionsmedizin bekommt die FDP den letzten Punkt von mir.

And the winner is…

Ein Blick auf meine Notizen mit den Punkten eröffnet mir eine Überraschung:
Die Linke liegt mit 3 Punkten vorne!! Um Himmelswillen, wer hätte das gedacht. Ein bisschen wie beim Wahl-O-Mat. Der liefert einem ja auch das ein oder andere Mal eine sehr überraschende Erkenntnis. Da werde ich jetzt mal drüber nachdenken.
Das Schlusslicht mit nur einem Punkt ist die AfD.  Jeweils zwei Punkte gab es für alle Anderen: CDU/CSU, die Grünen, SPD und FDP.
Irgendwie passt das gut zur aktuellen Politik und Parteienlandschaft. Alles eine Soße. Alle schreiben voneinander ab.
Bis auf die Linke und die AfD, die ihre Wahlprogramme interessanterweise zuerst veröffentlicht haben. Durch ihren eigenen Standpunkt tragen die Linken sowie die AfD damit zu Meinungsvielfalt und Pluralität bei. Find ich gut.

 

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By Jante
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