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Das stärkste Argument für eine Frauenquote

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Als ich mich noch nicht mit dem Thema befasst hatte, war ich intuitiv gegen die Quote. Das lag wahrscheinlich daran, dass ich nie den Eindruck hatte, aufgrund meines Geschlechts benachteiligt worden zu sein. Jeder Gender-Überzeugte würde mir jetzt gegen das Schienbein treten. Natürlich wurdest du benachteiligt, du hast es nur nicht bemerkt. (Kurzer Exkurs in die Gender Theorie für alle Interessierten: Gender=soziales Geschlecht. Die Theorie: In Abgrenzung zum biologischen Geschlecht wird dir dein soziales Geschlecht anerzogen. Berühmtester Satz: Man wird nicht als Frau geboren, man wird dazu gemacht) Wie auch immer, ich hatte auf jeden Fall eher das Gefühl, eine Quote würde mir schaden statt nutzen. Meine Sorge war, dass mir meine Leistung aberkannt werden könnte, weil ich plötzlich nur noch „Quotenfrau“ wäre. Dazu kommt allerdings auch, dass ich persönlich nie die Motivation verspürt habe, Vorstandsfrau zu werden und 24/7 zu arbeiten. Und woran liegt das? Ehrlich gesagt nicht am fehlenden Ehrgeiz. Der ist ziemlich ausgeprägt bei mir. Es liegt daran, dass ich nicht auf Familie verzichten wollte und auf ausgiebiges Muttersein. Und genau darin liegt für mich das stärkste Argument für eine Frauenquote. Führungspositionen müssen meiner Meinung nach familienkompatibel werden.

Wie sieht die Situation in Deutschland aus?

Im Jahr 2017 betrug der Anteil der Frauen in den Vorständen der 200 größten deutschen Unternehmen 8,1 Prozent. Deutschland befindet sich im unteren Drittel aller Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU), wenn es um den Frauenanteil in Führungspositionen geht.

2016 gilt das „Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst“. In diesem Zuge wurde in Deutschland für Aufsichtsräte eine verbindliche Frauenquote von 30% eingeführt (bzw. Männerquote. Nie als solche thematisiert, aber vom Gesetz theoretisch mitinbegriffen… „für das jeweils unterrepräsentierte Geschlecht“). Bleiben noch Vorstandsgremien und oberste Management-Ebenen. Für diese gilt die Quote (noch) nicht. Sie wurden verschont, unter der Prämisse, selbstgewählte Zielgrößen festzulegen und umzusetzen. Zwei Jahre später sieht die Bilanz so aus: Während in den Aufsichtsräten der rund hundert Unternehmen, die seither an die Frauenquote gebunden sind, der Frauenanteil tatsächlich auf durchschnittlich 30 Prozent gestiegen ist, hat sich bei den anderen so gut wie gar nichts getan. Good-Will alleine scheint nicht zu reichen.

Warum gibt es nach wie vor so wenig weibliche Führungskräfte?

Eines der stärksten Argumente der Quotengegner ist, dass ein Mangel an qualifizierten Frauen bestünde.

Folgende Zahlen dienen als Beleg: Zwar sind ca. 51 % der Hochschulabsolventen weiblich, allerdings wählen die Frauen meistens „wirtschaftsferne“ Studienfächer wie etwa Kunst- und Erziehungswissenschaften. Selbst heute studieren nur 16 % der Frauen naturwissenschaftlich-technische Fächer.

Es gibt aufwendige Fördermaßnahmen wie etwa die „Strategie der Bundesregierung zur Durchsetzung von Chancengerechtigkeit für Frauen in Bildung und Forschung“ oder den „Girls Day“, um junge Frauen für männlich dominierte Studiengänge zu begeistern.

Haben Frauen einfach andere Interessen? Natürlich haben sie das, zumindest viele davon. Frauen ticken anders. (Die Gender-Fraktion würde mir jetzt wieder einen Vortrag halten… Die anderen Interessen werden ihnen anerzogen, niemand kommt als anders tickende Frau zur Welt) So oder so, viele Frauen wissen besseres mit ihrem Leben anzufangen, als in Flugzeugen und Konferenzsälen zu sitzen. Aber es gibt auch genügend, die die gleichen beruflichen Ambitionen haben wie Männer, für die aber die Bedingungen nicht passen. Haben Unternehmen in den letzten vierzig Jahren zwar ihre Zielgruppe um Frauen erweitert, die Bedingungen an sie aber nicht angepasst?

Ein kleines Beispiel: Unternehmen, die aktiv an einem höheren Frauenanteil arbeiten, änderten die Formulierung ihrer Stellenausschreibungen. Statt sämtliche „Nice-to-have“ – Fähigkeiten/Erfahrungen aufzulisten, beschränkten sie sich auf die Kernkompetenzen. Mit Erfolg, deutlich mehr Frauen bewarben sich auf die ausgeschriebenen Jobs. Warum? Weil Frauen sich nur auf Jobs bewerben, bei denen sie von vornherein nahezu alle Anforderungen erfüllen. Bei Männern reichen dagegen 50%.

Dass mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf das größte Hindernis für Frauen darstellt, belegt eine Umfrage unter deutschen Führungskräften.

Eltern in die Chefetagen!

Ulrike Scheffer, Redakteurin im Tagesspiegel, fordert: „Eltern in die Chefetagen“ und liefert dazu eine schlüssige Argumentation:

„Sicher, viele Frauen wollen gar nicht in die Chefetagen, denn sie wollen meist auch Kinder, und beides ist schlecht vereinbar. Und genau das ist diskriminierend. Eine Quote würde die Unternehmen zwingen, der Diskriminierung durch andere Arbeitsmodelle endlich ein Ende zu setzen.

Es gibt heute zwar mehr Teilzeitjobs als noch vor 20, 30 Jahren. Oberhalb einer bestimmten Karrierestufe ist aber nach wie vor meist Schluss. Da heißt es: Diese Aufgabe erfordert vollen Einsatz, sprich 150 bis 200 Prozent, permanente Verfügbarkeit auch abends und am Wochenende. Als ob zwei, die sich den Job teilen, das nicht viel besser hinbekommen würden.

Man kann auch volkswirtschaftlich argumentieren: Deutschland fehlen Fachkräfte und Kinder. Deshalb können wir es uns nicht leisten, auf das wirtschaftliche Potenzial von Frauen zu verzichten, aber eben auch nicht darauf, dass Frauen Kinder gebären. Wer beides haben will, der muss die Arbeitswelt familienfreundlicher gestalten. Das haben die männlich dominierten Chefetagen bisher einfach nicht hingekriegt.

Weibliche Chefs allein werden das Problem sicher nicht lösen. Jedenfalls nicht, wenn sie sich den alten Strukturen anpassen, auf Kinder verzichten oder deren Erziehung anderen überlassen. Langfristig gibt es nur einen Ausweg: Eltern in die Chefetagen. Nur Führungskräfte – Frauen wie Männer –, die selbst beides wollen, arbeiten und erziehen, werden neue Modelle nicht nur predigen, sondern auch umsetzen.

Der Weg dahin führt über die Frauenquote. Denn es gibt zwar auch viele Männer, die mehr Zeit für die Familie wollen. Doch die müssen gegen noch mehr Widerstände ankämpfen als ihre Kolleginnen. Das trauen sich unter diesen Bedingungen nur wenige.“

In meinem Umfeld erlebe ich viele Frauen mit enormen Potential, Ehrgeiz und Leistungsbereitschaft. Ich schließe mich mit ein, wenn ich sage, wir streben nach beruflicher Selbstverwirklichung, glauben aber auch alle an das Glück „Familie“. Irgendwann muss man dann entscheiden: Karriere oder Mutter. Oder man wählt den Kompromiss: Spätgebärend und/oder wenig Kinder.

Gäbe es mehr Möglichkeiten, Karriere mit Familie zu vereinen, dann gäbe es mehr Frauen in Führungspositionen und es gäbe mehr Mütter.  Beides ist mehr als sinnvoll für Wirtschaft und Gesellschaft. Deswegen bin ich für ein radikales Umdenken in der Unternehmenskultur. Eine Quote, vielleicht auch nur als „Ankurbler“ auf eine begrenzte Zeit, würde schnell Druck aufbauen und Firmen müssten zügig neue Arbeitsmodelle und Strategien entwickeln.

http://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2018-01/frauenquote-aufsichtsraete-gleichberechtigung-deutsches-institut-wirtschaftsforschung

https://de.wikipedia.org/wiki/Aufsichtsrat#Frauenanteil

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/180102/umfrage/frauenanteil-in-den-vorstaenden-der-200-groessten-deutschen-unternehmen/

https://bdi.eu/media/user_upload/BDI_Faktencheck_Frauenquote.pdf

 

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1 comment

  • Ein erstaunlicher Wert aus der Studie des IW lässt laut Welt.de den Schluss zu – Männer machen deutlich weniger im Haushalt

    Dass männliche Führungskräfte mehr Stunden im Betrieb verbringen als ihre weiblichen Kolleginnen hat einen simplen Grund: Selbst Karrierefrauen leisten zu Hause mehr Familien- und Hausarbeit als Männer in vergleichbaren Stellungen. Am größten ist der Geschlechterunterschied bei Führungskräften, die mit Kindern unter 16 Jahren im Haushalt leben.

    Hier geben die Frauen mit 5,8 Stunden einen fast doppelt so hohen Zeitaufwand für die unbezahlte Familienarbeit an wie die Männer, die auf gut drei Stunden pro Werktag kommen.
    (vollständiger Artikel:
    https://www.welt.de/wirtschaft/article166079035/Fuehrungs-Frauen-machen-viel-zu-viel-im-Haushalt.html)
    ….
    Wenn dem auch so sein mag, schlägt der Begriff „unbezahlte Familienarbeit“ nach meinem Empfinden einen falschen Ton an. Nun also Ihr modernen Leader da draußen, hängt Euch da rein wo’s drauf ankommt. Im Zweifel bittet Eure Frauen, help me help you.

By Jante
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