KINDERKOMMAZUKUNFT Was tun für die Zukunft unserer Kinder ?!

Der Niedergang der Volksparteien. Oder: Der neue politisierende Konflikt.

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Gute Neuigkeiten bei all dem Ärger: Deutschland wird wieder politischer. Schulz und Merkel, SPD und CDU/CSU, gucken dabei dumm aus der Wäsche. Auf ihre Kosten geht der Spaß. Volksparteien sind nämlich out, das hat nicht zuletzt die Wahl im September gezeigt. In ganz Europa verabschiedet sich mehr und mehr das System „Volkspartei“, das bis zu 80% der Bevölkerung repräsentierte. Jetzt hat‘s also auch Deutschland erwischt. Warum ist das so?

Vom Wiederholungstäter zum Wechselwähler

Die westlichen Gesellschaften haben sich in den letzten 40 Jahren individualisiert. Gesellschaftliche Großorganisationen wie Gewerkschaften, Kirchen, Sozialverbände, einst Wählerzulieferorganisationen für CDU/CSU und SPD, haben an Mitgliedern und politischer Überzeugungskraft verloren. Die Menschen binden sich heute nicht mehr lebenslang an eine Partei – Postindustrielle Wähler sind Wechselwähler.

Deutschland, gespalten?

Seit 2015 ist Deutschland gespalten. Wirklich, erst seit 2015? Deutschland war schon immer gespalten. In Land und Stadt. In Ost und West. In Links und rechts. Schon immer gab es Interessenskonflikte, na und? Das ist die Basis der Demokratie, deren Daseinsberechtigung sozusagen.

Es ist einfach nur ein neuer Konflikt hinzugekommen. Der Auslöser ist die Globalisierung aber richtig in Fahrt gekommen ist er durch die Flüchtlingskrise. Achtung! Dieser Streit ist komplexer, berechtigter und ernst zu nehmender als der ganze Quatsch vom Gutmenschen und Wutbürger.

Am besten lässt er sich mit den der politischen Philsophie entlehnten Begriffen des Kosmopolitismus und Kommunitarismus beschreiben.

Kosmopolitismus vs. Kommunitarismus

Der typische Kosmopolit ist gebildet, verfügt über mobiles Humankapital, tritt für eine multikulturelle Moderne ein. Er ist ein Weltbürger und betrachtet den ganzen Erdkreis als Heimat. Demnach stimmt er für offene Grenzen für Güter, Dienstleistungen und Kapital, offene Grenzen für Flüchtlinge und ist bereit, nationalstaatliche Kompetenzen an internationale Organisationen zu übertragen. Der EU zum Beispiel.

Der Kommunitarist dagegen legt Wert auf heimatliche Gemeinschaften und einen starken Nationalstaat. Nur ein in eine sprachlich, ethnisch, kulturell, religiös oder sonst wie definierte Gemeinschaft eingebetteter Mensch ist ihrer Meinung nach in der Lage, über die Grundsätze der Gerechtigkeit zu befinden. Nur auf der Basis gemeinsamer Wertvorstellungen, vor allem auf der Grundlage einer gemeinschaftlichen Definition des „Guten“, könne sinnvoll über die Grundsätze der Gerechtigkeit verhandelt werden. Der Kommunitarist sieht in der multikulturellen Gesellschaft für sich mehr Nach- als Vorteile. Kommunitaristen wollen die Grenzen eher schließen, auf jeden Fall eng kontrolliert wissen.

Die CDU/CSU war bisher eher kommunitaristisch geprägt, hat aber unter Angela Merkel starke kosmopolitische Züge angenommen. Und damit viele traditionalistische Wähler verloren.

Der tiefste Riss geht dabei vor allem durch die SPD. Kommunitaristen besetzen in der SPD den traditionalistischen Flügel, Kosmopoliten den Flügel der Moderne. Erstere vertreten vor allem die Interessen der Arbeiterschicht, Letztere die kulturellen Präferenzen der Mittelschicht. Die Diskurse in der Partei wurden in der jüngeren Vergangenheit insbesondere von Kosmopoliten geprägt. Es ging vor allem um Gender, Umwelt, Rechte für Homosexuelle, Flüchtlinge und Asylsuchende. Fragen der Umverteilung, klassische Arbeitnehmerrechte oder die Lasten, die viele traditionelle SPD-Wähler in den Schulen, Wohnquartieren und den unteren Segmenten des Arbeitsmarkts bei offenen Grenzen zu schultern haben, gerieten dabei in den Hintergrund.

Auch die Linken sind betroffen. Der Kosmopolitismus ist eng an den Kapitalismus gekoppelt – dementsprechend ist der typische Linke eher ein Kommunitarist. Gleichzeitig haben sich die Linken ganz klar für eine „grenzenlose Einwanderung“ ausgesprochen – Und damit Kosmopoliten angezogen und Kommunitaristen verloren.

So wie sich dieser neue Konflikt durch die Parteienlandschaft zieht, zieht er sich auch durch Büros, Freundeskreise, Sportvereine und  – durch unsere Familien! Wie sieht die Zukunft unserer Kinder aus? Kosmopoliten als auch Kommunitaristen sind in großer Sorge bei dieser Frage.

Kommunitaristen vs. Kosmopoliten – kein Konflikt zwischen rechts und links, gut und böse, wahr oder falsch. Ein Interessenkonflikt, nicht mehr und nicht weniger. Die Debatte wird hitziger werden aber deswegen nicht unbedingt schlechter. Und natürlich gehört sie in den deutschen Bundestag – Da ist sie gottseidank jetzt angekommen.

Schauen wir mal, was mit unseren Volksparteien passiert. Ob sie den Streit annehmen, Argumente austauschen und Kompromisse suchen oder weiterhin auf die Inkaufnahme von Politikverdrossenheit gepflegte Konsenspolitik setzen.

Wer das verfolgen will, dem empfehle ich die Bundestag-App. Könnte spannend werden die nächsten vier, fünf Jahre.

 

Quellen:

Cicero Ausgabe Nr.11 / November 2017 / Artikel „Die Rückkehr des Politischen“ von Wolfgang Merkel / S.52

https://de.wikipedia.org/wiki/Kosmopolitismus

https://de.wikipedia.org/wiki/Kommunitarismus

 

 

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1 comment

  • Einfach ein Konflikt wie viele andere auch. Also warum der inflationäre Gebrauch von Wörtern wie Hass und Wut ?
    Guter Beitrag, Lesen bildet!

By Jante
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