KINDERKOMMAZUKUNFT Was tun für die Zukunft unserer Kinder ?!

Die Petitionsflut

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Wahrscheinlich hat jeder von euch schon mal eine Petition unterschrieben. Seit es Online-Petitionen gibt, sicher auch schon mehr als eine. So viele, dass ihr sie nicht mehr zählen könnt? Das würde zumindest auf mich zutreffen. Es ist eine einfache Form, sich politisch zu engagieren und sich von Zeit zu Zeit echt gut zu fühlen. Aber wie reflektiert ist man eigentlich, wenn man den „Unterzeichnen“-Button drückt?

Als „Petent“ musste man sich früher tagelang auf den Schulhof oder den Marktplatz stellen und eine Unterschriftensammelaktion starten. Seit das elektronisch funktioniert, ist es deutlich einfacher geworden, politischen Aktivismus an den Tag zu legen. Für den Sammelnden als auch den Unterschreibenden. Und deutlich effektiver. Waren 1000 Unterschriften früher vielleicht noch ein Erfolg, wird eine Online-Petition vom Bundestag heute erst ab 50.000 Stimmen angenommen.

Auf den Websiten von Avaaz, Campact, CitizenGo kann jeder ganz einfach eine Petition für sein Anliegen erstellen. Verbreitet wird sie dann über die Newsletter der Organisationen bzw. die sozialen Medien. Je mehr Klicks, desto größer der digitale Wirkungsgrad.

Vor ein paar Tagen erreichte mich per Mail die Online-Petition „Zwangs-Euthanasierung von Alvie Evans verhindern“. Innerhalb kürzester Zeit hatten 283.799 Menschen weltweit mit ihrer Unterschrift für lebensverlängernde Maßnahmen und eine Verlegung in ein Krankenhaus des Vatikans des kleinen Alvies gestimmt. Die Frage, die sich mir dabei stellte: Wie viele der knapp 300.000 hatten sich eigentlich mit der Gegenseite beschäftigt, bevor sie den „Unterzeichnen“-Button drückten? Wer von ihnen kennt die Sicht der Ärzte, auf die nicht zuletzt durch die Petition ein enormer medialer Druck aufgebaut wird?

 

Mittlerweile ist Alvie tot. Das tut mir sehr leid für seine Eltern. Trotzdem bin ich froh, dass am Ende keine Online-Petition über sein Schicksal bestimmen durfte.

Clicktivism

Clicktivism wird diese neue Art der politischen Beteiligung im Fachjargon genannt, mit der wir uns vom Computer aus mit wenigen Klicks bequem engagieren. Vom Sofa aus zeigen wir politischen Aktivismus und Zivilcourage, wie praktisch. Und weil wir eh schon so bequem sind, machen wir uns selten die Mühe, zu recherchieren und die Gegenargumente zu erfahren, bevor wir in der Sache zustimmen. Das sollten wir aber, denn nur wenn wir unseren eigenen Meinungsbeitrag ernst nehmen, können auch Online-Petitionen ernst genommen werden – als echte Chance und als ein modernes Mittel der direkten Demokratie.

 

 

 

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By Jante
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