KINDERKOMMAZUKUNFT Was tun für die Zukunft unserer Kinder ?!

Einfach nur mitlaufen will ich nicht!

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Ich will mir nicht anmaßen, zu entscheiden, ob die Maßnahmen der letzten Wochen richtig und angemessen sind. Ich will mir aber auch nicht erlauben, es mir in dieser gemütlichen Unsicherheit bequem zu machen. Ich kann die Gefahren, die von Covid-19 ausgehen, nicht einschätzen, also bilde ich mir keine Urteil, keine Meinung und schwimme weiter im Strom mit. Das ist einfach. Und zutiefst undemokratisch.

Am Vorabend des ersten Weltkrieges sagte Wilhelm II. «Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche.» Ich erkenne im Moment auch keine Parteien mehr. Wenn sich die Grünen und die AfD bzgl. des laufenden politischen Tagesgeschehens völlig einig sind, dann macht mir das Angst. Mir fehlt der politische Diskurs über die Effektivität und auch die Effizienz der Maßnahmen. Welche Ziele sollen genau erreicht werden? Ganz konkret, aber sehr unbequem: Bei wie vielen Toten pro Tag werden Maßnahmen verschärft, bei wie vielen gelockert? Die Anzahl der Neuinfektionen ist kein guter Anhaltspunkt, solange die Anzahl der getesteten Personen immer weiter zunimmt.

Wie hoch darf der sozial-emotionale und der volkswirtschaftliche Schaden sein, dass Maßnahmen gerechtfertigt bleiben? Wäre eine bestimmte Staatsschuldenquote eine Grenze, bei der die Kosten höher als der Nutzen eingestuft würden? Die Kosten für die Wirtschaftshilfen betragen schon jetzt ein historisches Ausmaß. Oder eine bestimmte Arbeitslosenrate? Wie sehr darf das Bruttoinlandsprodukt zurückgehen, bis die Kosten höher sind als der Nutzen?

Rechne ich Wirtschaftszahlen gegen Menschenleben auf?

Nein, ich will den Blick für die Menschen öffnen, die nicht an der Epidemie selbst, sondern an den sozialen und emotionalen Folgen leiden und auch sterben.

Allgemein ging man bei der Einführung der Kontaktsperre davon aus, dass psychische Probleme und auch häusliche Gewalt zunehmen würden. Der Bedarf an psychologischer Beratung nimmt schon jetzt rapide zu.1 Wäre eine bestimmte Opferzahl durch Suizid und häusliche Gewalt eine Grenze, ab der die Maßnahmen zur Bekämpfung der Epidemie nicht mehr zu rechtfertigen sind?

Eine schwächelnde Wirtschaft, etwas weniger Überfluss, dafür mehr Miteinander. Das ist für manche eine schöne, romantische Vorstellung. Allerdings ist ein Gesundheitssystem immer nur so gut, wie die Wirtschaft, die es finanziert. Der Finanzexperte Leonhard Fischer hat auf das Beispiel von Griechenland verwiesen, an dem sich exemplarisch studieren lässt, wie der Absturz einer Gesellschaft erst die kollektive Verarmung und dann auch die Sterblichkeit nach oben treibt. Er beziffert dabei den Anstieg der Mortalitätsrate in Griechenland zwischen 2010 und 2016 auf 17,8 Prozent. Das wären, auf Deutschland übertragen, 100000 Todesfälle mehr – pro Jahr.2

Söder spricht vom „Primat der Medizin“, wenn er immer weiter reichende Einschränkungen des öffentlichen Lebens ankündigt. Virologen sind keine Politiker. Sie wissen (vielleicht) wie man die Ausbreitung eines Virus verhindert. Die Auswirkungen einzelner Maßnahmen auf eine Gesellschaft, eine Volkswirtschaft und das politische Leben liegen außerhalb ihrer Kompetenzen.

Neuerdings werden wir von Politikern dazu aufgefordert, unsere Nachbarn zu melden, wenn sie sich nicht an die Regeln zur Bekämpfung der Epidemie halten. „Da geht es um Menschenleben, das müssen wir ernst nehmen“ (Winfried Kretschmann).3

Heiligt der Zweck die Mittel? Auch in der DDR wurde aus damaliger Sicht für den guten Zweck bespitzelt und denunziert. In einer Gesellschaft von Individualisten, deren Selbstverantwortung und Freiheit als hohes Gut gilt, steht plötzlich wieder das Kollektiv im Vordergrund. Die wenigsten Menschen, mit denen ich in letzter Zeit gesprochen habe, haben kein komisches Gefühl, wenn sie an die politische und wirtschaftliche Zukunft denken. Aber keiner will ausscheren (inklusive mir), weil keiner der Gemeinschaft, dem großen Ganzen,  schaden will. Als die Schutzbekleidung in Deutschland knapp wurde, kam mir niemand unter, der den Exportstop für Schutzbekleidung aus Deutschland kritisiert hat. Wieso sollen wir auch Mundschutzvorrichtungen exportieren, wenn es in Deutschland zu wenige gibt? Sind wir jetzt plötzlich wieder Deutsche anstatt Europäer oder Weltbürger?

Im Moment renne ich noch mit und halte mich weitgehend an die Verhaltensvorschriften. Meine Argumentation: Wenn sich nur die Hälfte an die Vorgaben hält, dann wird die Wirkung, also der gesundheitliche Schutz, verpuffen. Die wirtschaftlichen Folgen werden trotzdem eintreten. Damit ist nichts gewonnen. Wenn eine Chance auf ein gutes Ende bestehen soll, dann müssen alle mitmachen und nicht nur ein Teil. Es ist ein gewagter Vergleich, ich weiß, aber ich will ihn trotzdem machen: Als nach Hitlers Machtergreifung klar war, dass er Deutschland in den Krieg führen würde, gab es sicherlich viele, die kriegsmüde waren und die sich bei dem Gedanken an die Folgen nicht wohl gefühlt haben. Aber, wenn nur ein Teil der Deutschen mitgemacht hätte, wäre der Krieg sicher verloren gewesen. So war vielleicht die Argumentation für den ein oder anderen damals. Also haben (bis auf wenige Ausnahmen) alle mitgemacht.

Was jetzt? Was sind Alternativen? Ich weiß es noch nicht. Aber ich muss das hier schreiben. Ich kann sonst nicht mehr in den Spiegel schauen. Wenn ich mich selbst heute, wo mir und meiner Familie maximal ein Bußgeld droht, ins Private zurückziehe und alles über mich ergehen lasse und aufhöre kritische Fragen zu stellen, dann hätte ich es sicherlich auch zu Beginn des Nationalsozialismus getan. Für meine Selbstachtung brauche ich dieses kleine Fünkchen Hoffnung, dass ich damals nicht mitgerannt wäre.

1 https://www.dw.com/de/coronavirus-und-psyche-ich-k%C3%B6nnt-auch-einfach-liegenbleiben/a-52924384 (Zugriff am 3.4.2020)

2 https://www.focus.de/politik/deutschland/schwarzer-kanal/die-focus-kolumne-von-jan-fleischhauer-auch-die-politik-des-lockdown-produziert-tote-man-sieht-sie-nur-nicht-gleich_id_11823577.html?mktcid=nled&mktcval=123_2020-04-02&kid=_2020-4-2&trco

3 https://www.suedkurier.de/baden-wuerttemberg/sinnvoll-oder-aufruf-zum-bespitzeln-innenminister-strobl-fordert-buerger-zur-gegenseitigen-corona-ueberwachung-auf;art417930,10485142

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