KINDERKOMMAZUKUNFT Was tun für die Zukunft unserer Kinder ?!

Ich will für die Betreuung meiner Kinder bezahlen!

I

Meine beiden Kinder rennen brüllend durch die Wohnung. Meine Tochter (3 Jahre) verfolgt ihren kleinen Bruder (2 Jahre). Er brüllt, weil er auf der Flucht ist. Sie, weil es ihr immer noch nicht gelungen ist, ihn dingfest zu machen. Er ist nämlich gleichgroß und 2 Kilo schwerer als sie. Irgendwann gibt der klügere – in diesem Fall mein Sohn – nach. Er ergibt sich in sein Schicksal und setzt sich auf den extra für ihn vorbereiteten Stuhl an den Kindertisch. „So, Du kleiner Schlingel, was möchtest Du lieber machen? Das Prinzessinenbild ausmalen, oder ein Frühlingsbild basteln?“ Er will natürlich keins von beidem. Mit bestimmtem und zugleich freundlichem Tonfall in professioneller Kindergarten-Erzieherinnen-Art setzt sich meine Tochter aber durch. Ihren Tonfall, Dialekt und Mimik in dieser Situation kenne ich ganz genau. Exakt so redet Frau Schehm*, die junge, von meiner Tochter sehr geschätzte, Erzieherin im Kindergarten. Meine Tochter – die Kindergärtnerin – findet seit sie in die Krippe geht regelmäßig statt. Sie liebt diese Rolle und sie liebt auch die Vorbilder, also die Erzieherin.

Auch mein Sohn liebt seine Bezugserzieherin in der Krippe. Er imitiert sie nicht, aber er redet ständig von ihr. Frau Dahn* isst auch Müsli, Frau Dahn spielt, Frau Dahn schaukelt… Wenn er sie sieht leuchten seine Augen. Meine Augen leuchten auch, weil es ist so ein gutes Gefühl, seine Kinder in diesen Händen zu wissen. Jeden Morgen bin ich unheimlich froh, dass es diese Menschen gibt, die meinen Kindern Geborgenheit vermitteln und mir damit die Freiheit geben, meinem Beruf nachgehen zu können. Was für mich wirklich Lebensqualität bedeutet. Es sind die einzelnen Erzieher/innen und aber auch die Leitung der Krippe/Kindergarten, die mit so viel Einsatz, Ideen und Leidenschaft das Leben meiner Kinder auf so wertvolle Art und Weise mitgestalten. Die Möglichkeiten und auch die Anerkennung, die sie dafür erhalten, sind natürlich ganz entscheidend von der Politik mitgeprägt. Von der stellvertretenden Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Nadine Schön ist dazu folgendes zu lesen: „Was wir in den Koalitionsverhandlungen für Familien erreichen konnten, kann sich sehen lassen […] Die Betreuungsplätze werden wir weiter ausbauen und die Länder können mit Hilfe des Bundes die Qualität verbessern und/oder Gebühren senken.“ Mir geht es vor allem um dieses „und/oder Gebühren senken“.1 Kostenfreie Kinderbetreuung ab 1 Jahr war vor allem erklärtes Ziel der SPD. Aber auch für die Grünen und die Linke war dies im Wahlkampf ein wichtiges Thema. Es ist also zu befürchten, dass viele Bundesländer das Geld, das der Bund ihnen in Zukunft zur Verfügung stellen wird, dafür nutzen, Kinderbetreuungsgebühren zu senken bzw. ganz abzuschaffen.

Mich ärgert das.

Erstens sind die meisten Menschen so gestrickt, dass sie etwas was sie umsonst bekommen, nicht so sehr schätzen wissen, als würden sie dafür bezahlen. Das wäre schlimm. Eben, weil ich finde, dass die Arbeit, die in den Betreuungseinrichtungen geleistet wird, unbedingt geschätzt werden sollte. Die Beiträge können gern nach den sozialen Möglichkeiten der Familien gestaffelt sein – also wer viel verdient bezahlt viel, wer wenig verdient bezahlt wenig. Aber wer dieses Angebot nutzt, sollte auch dafür bezahlen. Wenn die Politik tatsächlich mehr Geld in die Kinderbetreuung investieren möchte, dann sollten die Betreuungseinrichtungen dieses Geld zusätzlich zu den von uns Eltern geleisteten Beiträgen bekommen. Und ich finde es sollte dann nicht nur für das noch bessere Bio-Essen und noch längere flexiblere Betreuungszeiten verwendet werden, sondern für die Erzieher/innen. Sie haben eine ziemlich aufwendige und längere Ausbildung als die meisten anderen Ausbildungsberufe hinter sich. Sie tragen eine unheimliche Verantwortung und die Erwartungen an sie steigen ständig. Ich denke dabei an Entwicklungsgespräche und -protokolle, Portfolioordner, Erziehung zur gesunden Ernährung, Waldwoche, Draußentage, regelmäßige Zahnkontrolle, Sprachförderangebote… man könnte auf die Idee kommen, uns Eltern braucht es eigentlich gar nicht mehr. Tatsächlich wird uns unheimlich viel Arbeit abgenommen und das sollte unbedingt auch finanziell entsprechend honoriert werden. Ich weiß ehrlich gesagt nicht so ganz genau, warum mein Job als Lehrerin am Gymnasium so viel wertvoller sein soll…

Ein zweiter Aspekt, der dagegen spricht, Betreuungsgebühren zu senken, ist die Wahlfreiheit der Eltern. Eltern, die ihre Kleinkinder selbst betreuen und nicht zum Arbeiten gehen, verdienen in dieser Zeit auch kein Geld, obwohl sie einen sehr wertvollen Job machen und auch einen sehr wichtigen gesellschaftlichen Beitrag leisten. Eltern, die lieber arbeiten gehen und ihr Kind für diese Zeit in eine Betreuungseinrichtung geben, verdienen Geld. Wenn sie von diesem Geld einen Teil für die Betreuung ihres Kindes verwenden müssen, ist das nur gerecht. Andernfalls hätten sie einen finanziellen Vorteil gegenüber den Eltern, die ihre Kinder selbst betreuen. Mit der Abschaffung von Betreuungsgebühren würde also auch die echte Wahlfreiheit zwischen dem Modell, seine Kinder selbst zu betreuen und nicht arbeiten zu gehen und der zweiten Variante: Kinder betreuen lassen und in dieser Zeit arbeiten gehen, verschwinden. Diese Wahlfreiheit zu erhalten finde ich aber wichtig. Mütter und Väter sollten selbst entschieden können welchen Weg sie mit ihren Kindern gehen wollen. Hauptentscheidungskriterium sollte dabei sein, was von den Eltern als der beste Weg für die Familie gesehen wird. Nicht der Staat, der das eine Modell forciert, weil es volkswirtschaftlich effektiver ist, wenn die Mütter möglichst schnell wieder arbeiten, sollte ausschlaggebend für diese Entscheidung sein.

Wir Eltern sollten also aufpassen, dass wir bei zukünftigen Wahlen nicht die Hand aufhalten und uns freuen, wenn uns eine Partei verspricht, die Betreuungsgebühren abzuschaffen. Wir sollten bedenken, welche Konsequenzen das hat, und bereit sein für ein gutes und wertvolles Angebot zu bezahlen.

*Name von der Redaktion geändert

1https://www.cducsu.de/presse/pressemitteilungen/koalitionsvertrag-setzt-ein-starkes-signal-fuer-familien-und-frauen

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By Dag
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