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Ich will nicht in die Schublade!

I

Nach meinem letzten Beitrag „Manchmal muss man geliebtes aufgeben – auch den Klimawandel?“ bekam ich einen besorgten Anruf von einem guten Freund.

https://kinderkommazukunft.de/manchmal-muss-man-geliebtes-aufgeben-auch-den-klimawandel

Mal abgesehen davon, dass er meine Zweifel nicht teile, mache er sich Sorgen um mich und meinen guten Ruf. Da sowohl dieser Beitrag zum Klimawandel als auch andere Beiträge in unserem Blog Meinungen vertreten würden, die zu nah an den Positionen von rechtspopulistischen Parteien, wie der AFD seien. Er befürchtet also, dass wir durch unseren Blog in eine rechtskonservative Schublade gesteckt werden könnten. Ich konnte danach eine Nacht nicht schlafen – und das, obwohl ich zur Zeit eigentlich schlafe wie ein Stein, weil sich mein Schlafpensum seit der Geburt unseres dritten Kindes drastisch reduziert hat.

Einerseits möchte ich auf gar keinen Fall in die rechte Ecke gesteckt werden. Erstens, weil ich mich selbst dort absolut nicht sehe. „Vogelschiss“ – Aussagen von Herrn Gauland und ähnliches sind mir zutiefst zu wider. Zweitens weil ich mich natürlich auch vor der gesellschaftlichen Ächtung fürchte, die eine Nähe zur AFD mit sich brächte.

Andererseits sträubt sich in mir etwas, wenn man nicht seine Verunsicherung bzgl. des menschlichen Einflusses auf das Klima zum Ausdruck bringen kann, ohne als Rechtspopulist zu gelten. Ja, die AFD bestreitet offiziell den menschlichen Einfluss auf das Klima. Aber die Tatsache, dass eine Partei, die als rechtspopulistisch gilt, eine Meinung vertritt, kann doch kein Grund sein, diese Meinung abzulehnen. Die Argumente, die gegen oder für eine Position sprechen, sollten keine politischen Argumente, sondern sachliche sein.

Mein besorgter Freund fand vor allem die Anzahl der Beiträge, die rechtspopulistische bzw. sehr konservative Positionen vertreten, zu hoch. Es ging ihm vor allem auch um Beiträge zur Asylpolitik. Ich hab mir die Beiträge alle noch einmal durchgelesen. Sie stellen für mich eine zwar zum Teil kritische Auseinandersetzung mit den Folgen von Einwanderung dar. Ich finde aber in keinem Beitrag etwas rassistisches, diskriminierendes oder menschenfeindliches. Und da befände sich aus meiner Sicht die rote Linie. Es ist klar, dass man in vielen Bereichen anderer Meinung sein kann, aber ich kann nirgendwo eine Aussage entdecken, aus der man schließen müsste, wir seien Menschen, die hartherzig, intolerant oder inhuman sind. Das sind Attribute, die Menschen mit rechts-konservativen Gesinnung zugeschrieben werden.

Ich frage mich, wie ist man eigentlich, wenn man rechts-konservativ ist? Man spricht sich vermutlich für eine Obergrenze bei der Zuwanderung aus. Bestimmt sieht man viele Dinge in Brüssel sehr kritisch, weil einem der Nationalstaat, also Deutschland, deutlich wichtiger ist als ein europäisches Staatenbündnis. Gegen Freihandelsabkommen wie z.B. TTIP ist man sicherlich auch, denn alle Rechts-Populisten wollen vor allem ihre eigene Wirtschaft und die damit verbundenen Arbeitsplätze schützen – frei nach dem Motto „America first“… übrigens sind das alles Positionen, die Sarah Wagenknecht vertritt – Fraktionschefin der Linken im Bundestag. Ist die jetzt also doch rechts und nicht links?

Mit fällt gerade eine andere Person ein, die eine härtere Gangart im Umgang mit Migranten fordert und auch eine sehr skeptische Haltung gegenüber der EU vertritt. Von dieser Person kommen immer wieder provozierende Sprüche wie, dass die „arabischen Muskelmachos in Berliner Fitnessstudios“ nerven1. Würde sich diese Person auch noch für ein traditionelles Familienleben aussprechen und gegen die Ehe für alle sein, wäre das Klichee vom rechts-konservativen Populisten perfekt. Ich rede aber von Jens Spahn (CDU), unserem Gesundheitsminister, homosexuell und verheiratet mit seinem langjährigen Partner. Auch er passt also nicht ganz zum stereotypen konservativen Hardliner.

Noch so was, was nicht passt: Es gibt nicht wenige jüdische Parteimitglieder in der AfD. Sind diese Juden jetzt also auch Nazis?

Die Einteilung in Schubladen wie rechts oder links, grün oder schwarz stößt also oft an ihre Grenzen.

Eine andere Möglichkeit, zwischen Gut und Böse zu unterteilen wäre vielleicht, den Populismus als Kriterium zu wählen. Populismus ist laut Duden eine „von Opportunismus geprägte, volksnahe Politik, die das Ziel hat, […] die Gunst der Massen […] zu gewinnen“. Wenn ein Politiker das tut, wofür ihm möglichst viele Wähler ihre Stimme geben, ist das also Populismus. Ein Beispiel: Bis zur Atomkatastrophe in Fukushima 2011, war die CDU unter Angela Merkel und auch große Teile der deutschen Bevölkerung gegen den Atomausstieg. Danach kippte die Stimmung in Deutschland. Es war klar, dass keine Partei mehr Wahlen gewinnen konnte, die die Angst der Deutschen vor der Atomkraft ignorieren würde. Angela Merkel schwenkte um und setzt sich seitdem für den Ausstieg aus der Atomkraft ein. Hat sie, wie wir das von Politikern in einer Demokratie erwarten, getan, was den Menschen wichtig war? Oder war das eine populistische Politik? Ich würde sagen, beides…

Man sieht, auch der Populismus als Totschlagargument gegen den politischen Gegner taugt eigentlich nicht. Vielleicht machen wir diese Einteilungen oft deshalb, weil wir uns dadurch anstrengendes Zuhören und Diskutieren ersparen. Ich kenne das von mir selber: Ich bin die Tochter zweier Schulmediziner. Das hat mich geprägt. Wenn mir jemand mit Arnikakügelchen, energetischen Steinen oder Akkupressur kommt, hör ich ihm gar nicht mehr zu. Ich packe ihn in die Schublade esoterisch, abgehoben und sowieso nicht rationaler Argumentation zugänglich. Also Zeitverschwendung. Das verhindert aber, dass ich mir erst mal ernsthaft und ergebnisoffen anhöre, was es für alternative medizinische Methoden gibt. Damit verbaue ich mir aber eben auch selbst einen möglichen Erkenntnisgewinn. Ich schade also nicht nur der Person, die ich in eine Schublade packe, sondern auch mir selbst.

1https://www.zeit.de/zeit-magazin/2017/22/jens-spahn-cdu-interview-moritz-von-uslar/seite-3

2https://www.focus.de/politik/videos/zentralrat-warnt-vor-hetze-afd-wirbt-jetzt-massiv-um-juedische-waehler_id_6901323.html

3http://www.deutschlandfunk.de/juedische-waehler-sympathien-gegenueber-der-afd-und.862.de.html?dram:article_id=396386

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By Dag
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