KINDERKOMMAZUKUNFT Was tun für die Zukunft unserer Kinder ?!

Kontrastprogramm: Morgens Elternzeit und abends Krieg

K

Vor drei Wochen kam unser drittes Kind zur Welt – ein Sohn. Die beiden großen Kinder sind völlig verliebt in ihn, die Eltern auch. Ich habe Elternzeit. Es ist Frühling und ich habe Zeit, das schöne Wetter, meine Kinder – das Leben an sich zu genießen.

Abends versammelt sich die ganze Familie im Bett unseres zweijährigen Sohnes. Das sind dann 5 Personen auf weniger als 2 Quadratmeter. Der Papa liest vor, ich wiege den kleinsten auf meinem Schoß. Irgendwann schlafen dann alle Kinder, in der Regel auch der Papa. Ich bin noch wach und kann mich am Anblick dieser schlafenden Gestalten auf engstem Raum kaum satt sehen. Das ist die Geborgenheit und Friede schlechthin. Später lese ich dann noch ein paar Seiten. Im Moment ist meine Abendlektüre „Der dreißigjährige Krieg“ von Christian Pantle. Das ist dann das Kontrastprogramm. Jeden Abend aufs Neue kann ich kaum fassen, was ich da lese. So beschreibt der Söldner Peter Hagendorf in seinen Tagebuchaufzeichnungen, dass er während der 20 Jahre, die er mit diversen Heeren in Begleitung seiner Frau – das war damals so üblich – quer durch Mitteleuropa zog, alle seine sechs Kinder noch vor ihrem ersten Geburtstag begrub. Ähnlich erging es dem Schuhmacher Heberle aus der Nähe von Ulm. Aufgrund der Entbehrungen des Krieges verliert er innerhalb eines Jahres vier seiner fünf Kinder, fünf Geschwister, Vater und Stiefmutter. Die Heberles werden Opfer von Plünderungen und schlimmsten Grausamkeiten durch die herumziehenden Heere bzw. die Söldner. Diese scheinen durch Hunger, Pest, Belagerung und Kämpfe jegliche Hemmungen gegenüber der Zivilbevölkerung verloren zu haben. In der Folge kämpfen während dieser dreißig Jahre nicht nur Protestanten gegen Katholiken, Habsburger gegen Schweden, Franzosen gegen Deutsche sondern auch Bauern gegen Söldner, Söldner gegen Stadtbewohner…also eigentlich jeder gegen jeden und das 30 Jahre lang.

Andreas Gryphius schreibt 1636 in seinem Gedicht „Tränen des Vaterlandes“

Wir sind doch nunmehr ganz, ja mehr denn ganz verheeret!

[…]

Doch schweig ich noch vom dem, was ärger als der Tod,

Was grimmer denn die Pest, und Glut und Hungersnot,

Dass auch der Seelen Schatz so vielen abgezwungen.

Ich schlafe abends gerade mit zwei Gedanken ein: Ich bin unendlich dankbar dafür, dass ich meine Kinder unter diesen unglaublich guten Bedingungen großziehen darf. Ich lebe weder im 17. Jahrhundert in Deutschland noch im 21. Jahrhundert im Jemen, Syrien oder einem anderen Land mit kriegerischen Konflikten. Der zweite Gedanke, der mich beschäftigt, ist die Frage: Was kann ich tun, damit es so bleibt? Wie kann ich die Zukunft meiner Kinder mitgestalten?

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By Dag
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