KINDERKOMMAZUKUNFT Was tun für die Zukunft unserer Kinder ?!

Manchmal muss man Geliebtes aufgeben – auch den Klimawandel?

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In dem Dörfchen, in dem wir unsere Kindheit verbracht haben, gibt es die sogenannte Dorffasnet. Das ist ein Faschingsumzug an dem neben den traditionellen Masken auch sogenannte Ulkgruppen teilnehmen. Von manchen dieser Ulkgruppen wird der Umzug auch als Gelegenheit genutzt, politische oder gesellschaftliche Themen aufzugreifen. Genau das haben unsere Eltern wiederholt getan und wir Kinder mussten wohl oder übel mitmachen.

Ich erinnere mich daran, im Badeanzug – Fasching ist bei uns im Februar! – durch die Straßen meines Heimatdörfchens zu ziehen und immer wieder zu rufen „Im Bikini ists prima – denn es erwärmt sich ja das Klima!“

1984 wurden wir in Müllsäcke gesteckt. Meiner trug die Aufschrift: „Säure, Öl und Cadmium hau‘n selbst größte Bäume um“. Thema war das Waldsterben. Über mehrere Jahre gab es bei uns auf dem Hof das sogenannte Waldfest. Waldführungen, Infostände usw. sollten die Bevölkerung auf den katastrophalen Zustand des Waldes aufmerksam machen. Ein Gitarrenspieler war auch jedes Jahr da. Ich begleitete ihn mit Gesang und kämpfte also singend für den Wald und gegen das Waldsterben. Man kann also sagen, die Eckpfeiler meiner durch und durch grünen Erziehung basierten auf zwei Gewissheiten: Die Wälder werden sterben und das Klima erwärmt sich. Die erste Gewissheit fiel irgendwie unbemerkt, sang- und klanglos über Bord. Die Losung „Erst stirbt der Wald, dann stirbt der Mensch“, hatte Anfang der 1980er Zehntausende auf die Straßen getrieben. Presse, Politik und die Wissenschaftler hatten sich allerdings glücklicherweise getäuscht. Die Wälder starben nicht. Ich komme mit diesem Verlust einer frühkindlichen Sicherheit klar. Ich habe ja auch als Anker, der mir Halt gibt, immer noch den Klimawandel… dachte ich zumindest.

Am letzten Wochenende war großes Familientreffen auf der schwäbischen Alb und da unterhielt ich mich mit irgend einem Cousin ca. fünften Grades, der Physiker ist. Wir kamen auf den Klimawandel zu sprechen. Dabei berichtete er, dass es unter Physikern umstritten sei, ob der Mensch mit seinen CO2-Emissionen tatsächlich für die globale Erwärmung ursächlich ist. Allerdings würde eine sachliche Debatte nur im privaten Kreis geführt. Die öffentliche Diskussion finde nicht statt bzw. sei ideologisch aufgeladen. Ein Kollege, der an verschiedenen Kalkablagerungen forschte und zu Ergebnissen kam, die dem Modell des Treibhauseffekts wiedersprachen, wurde in einer Fachzeitschrift öffentlich denunziert. Er habe daraufhin an diesem Thema nicht weiter geforscht, weil er um seine Reputation fürchtete.

Natürlich überraschte mich das sehr. Wie gesagt, der menschengemachte Klimawandel war bis dato für mich gesetzt. Mein Interesse war allerdings geweckt und ich begann eine intensive Recherche. Und dies waren meine, leider keine allzu große Sicherheit bietenden Ergebnisse:

  • Die Sonnenaktivität ist im Moment so hoch wie sie es in den letzten 10 000 Jahren nicht war. Auch dies könnte also zur derzeitigen Klimaerwärmung beitragen. 1
  • Ein Beweis für den Klimawandel, der immer wieder aufgeführt wird: Die Pole schmelzen. Tatsächlich schrumpft nur das Eis am Nordpol. Der Südpol dagegen wächst.2
  • Das weltweite Durchschnittsklima hat sich zwischen 1997 und 2014 trotz völlig anderer Prognosen nicht mehr erwärmt hat. Die Erwärmung hat also fast 20 Jahre lang stagniert, die letzten Jahren gelten aber wieder als wärmer. Der Klimaforscher Jochem Marotzke ist einer der Hauptautoren des nächsten Klimaberichts des Weltklimarates. Über die hitzige Debatte zwischen Klimaforschern weltweit zu den Gründen dieser Entwicklung sagt Marotzke lediglich: „Es passiert da etwas sehr Spannendes, aber wir verstehen es derzeit nicht wirklich.“2
  • Vom gleichen Jochem Marotzke war auch folgendes zu lesen: „Von der Energie, die in Form von Sonnenstrahlen in die Erdatmosphäre eindringt, geht nicht alles wieder hinaus. Das haben viele meiner Kollegen mit Messungen in den vergangenen Jahren nachgewiesen. Nur wo diese Hitze im Treibhaus geblieben ist, weiß derzeit niemand.“2
  • Auch diese Zahlen relativieren vieles: Vor 500 Millionen Jahren lag der CO2-Gehalt zwischen 4000 und 6000 ppm (heute 385 ppm). Dann folgte eine Phase mit ähnlich niedrigen CO2-Werten wie heute und einer Eisbedeckung fast bis zum 30. Breitengrad. Nordafrika war also damals eisbedeckt. Vor etwa 200 Millionen Jahren lag der CO2-Gehalt wieder deutlich über 1000 ppm. Es war die Zeit der Dinosaurier mit um 8 Grad wärmeren Temperaturen als heute. Man könnte daraus schlussfolgern: Die Erde wird also vermutlich nicht untergehen, selbst wenn die CO2-Konzentration weiter ansteigt.3

Das Ergebnis meiner Recherchen bringt mir vor allem die Gewissheit, dass es keine Gewissheit gibt. Und das ist für mich als Klimawandel-Aktivistin von Kindesbeinen an sehr überraschend. Ich bin dazu geneigt zu argumentieren, dass wir die CO2-Emissionen trotzdem verringern sollten, um kein Risiko einzugehen – auch wenn wir nicht wissen, ob wir das Klima damit überhaupt beeinflussen können. Sicher ist sicher…

Meine Recherche ergab aber auch folgendes: Der Klimaschutz könnte allein Deutschland bis zu 53 Mrd. Euro pro Jahr kosten, so der Ex-Weltbank-Ökonom Nicholas Stern 4. Mit diesem Geld könnte man unglaublich viele andere Umweltprobleme lösen, Menschen in Not helfen oder andere wichtige Investitionen tätigen. Ist es also gerechtfertigt, so viel Geld für eine Sache auszugeben, bei der so viele Ungewissheiten existieren?

Jahrelang unterrichtete ich im Geographieunterricht voller Überzeugung und Dramatik den Treibhauseffekt und seine Folgen. Jahrelang versuchte ich, auf subtile Art und Weise meine Schüler dazu zu kriegen ihre Ernährung umzustellen. Vegane Ernährung produziert nämlich im Schnitt etwa 40 mal weniger CO2 als der Konsum von Fleisch oder auch Käse. Alle meine Freunde und Kollegen müssen sich bei jeder Flugreise meinem strafenden Blick unterziehen und sich einen Vortrag über die Folgen für das Klima anhören. Mein ganzer Stolz ist, dass ich meinen Clio Combi mit 3,7 l/100 km fahren kann – und das auf Kurzstrecken. Ich nehme dafür in Kauf, ein Verkehrshindernis zu sein.

Den Klimawandel habe ich also wirklich gelebt. Und jetzt stelle ich fest, dass er angezweifelt werden kann. Und was nun?

Ich bin dankbar, dass ich im Moment in Elternzeit bin. Damit stehe ich nicht vor der Entscheidung, ob ich meinen Schülern weiterhin den Treibhauseffekt als Wahrheit verkaufe oder ob ich ihnen einfach sage, dass ich selbst keine Ahnung habe.

1http://wetter-observer.de/category/sonnenaktivitaet/

2 http://www.wiwo.de/technologie/umwelt/erderwaermung-warum-steigen-die-temperaturen-nicht-mehr/8055512-3.html (10.Januar 2018)

3Royer: CO2-forced climate thresholds during the Phanerozoic. (PDF) In: Geochimica et Cosmochimica Acta. 70, Nr. 23, 2006, S. 5665–5675.

4http://www.wiwo.de/technologie/umwelt/erderwaermung-was-kostet-uns-der-klimaschutz/8055512-6.html

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By Dag
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