KINDERKOMMAZUKUNFT Was tun für die Zukunft unserer Kinder ?!

Pluralismus II: Die Energiewende

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„Ich bin für Atomkraft und gegen die Energiewende“. Wenn jemand diesen Satz zu mir sagen würde, würde ich antworten „Ja klar. Und das Atomkraftwerk mitsamt Endlager willst Du sicherlich auch in Deinem Garten“.  Ich hab das Totschlagargument als Ass im Ärmel und damit wäre das Gespräch für mich beendet. Blöd wird’s nur, wenn dann die Gegenfrage kommt, ob ich das Windrad in meinem Garten will…ach ne, einen Garten hab ich ja nicht mehr, weil alle zur Verfügung stehenden Flächen mit Mais bebaut wurden, der zur Energiegewinnung vergast werden soll. Dann weiß ich plötzlich nicht mehr was ich sagen soll und mir stellt sich die Frage, ob es zum Ausstieg aus der Atomkraft doch nicht nur einen möglichen Standpunkt gibt.

Dieser zweite Teil meiner Pluralismusserie ist für mich in doppelter Hinsicht ein wichtiges Thema, wenn ich an die Zukunft meiner Kinder denke. Warum ich mir eine pluralistische Herangehensweise für Diskussionen jeglicher Art wünsche, hab ich schon im ersten Teil erklärt.

Die Energieversorgung selbst, ist aber sicherlich auch ein Thema, das die Zukunft unserer Kinder mitbestimmen wird. Welches Risiko eines atomaren Unfalls bin ich bereit einzugehen? Die Energiegewinnung durch Atomkraft ist annähernd CO2 –neutral. Der  Atomausstieg belastet die CO2-Bilanz Deutschlands dadurch im Moment enorm. Die Kosten für die Energiewende werden auch unsere Kinder bezahlen müssen. Die durch den Klimawandel verursachten Kosten erst recht.

Was spricht also für bzw. gegen die Energiegewinnung aus der Atomkraft?

Dazu habe ich mir jetzt alle möglichen Gedanken gemacht, recherchiert und versucht das alles aufzuschreiben. Als ich fertig war, bin ich über einen Vortrag von Hans-Werner-Sinn (ehemaliger Chef des Münchner Ifo-Instituts) gestolpert. Der Vortrag hatte den Titel „Energiewende in Nichts“. Ich konnte danach nicht schlafen, weil ich so beeindruckt war von der Überzeugungskraft dieser Zahlen und von den katastrophalen Aussichten der Energiewende. Diese Rede ist so viel überzeugender und beeindruckender als alles, was ich geschrieben habe. Wenn Ihr also Lust und Zeit habt, dann lest meinen Beitrag. Noch viel mehr solltet Ihr aber diesen Film anschauen. Man findet ihn auf you tube unter diesem Link:

https://www.youtube.com/watch?v=jm9h0MJ2swo

Wen es also trotz des Films interesseiert, hier meine eigenen Erfahrungen und Ausführungen…

Was spricht für ein Ende der Energiegewinnung aus der Atomkraft?

Die bislang ungeklärte Lagerung des Atommülls. Das Risiko von Unfällen innerhalb der Kraftwerke (Beispiele sind Fukushima, Tschernobyl). Zusätzlich sind Atomkraftwerke in Zeiten zunehmender Terrorgefahr evtl. eine Art Achillesferse. Man stelle sich vor, ein Flugzeug fliegt in so einen Reaktorblock rein…

Von vielen Befürwortern wurde die Energiewende auch als Chance gesehen, die Verbraucher unabhängiger von den wenigen Energiekonzernen zu machen. Dank einer von wenigen großen Unternehmen dominierten Markstruktur, sind Preisabsprachen im Energiebereich nicht selten. Die Idee war, dass Strom dezentral erzeugt wird. Jeder hat also seine Solarplatte auf dem Dach und die Landwirte von Nebenan liefern per Biogas oder Wind die Energie, die die Sonne nicht liefert.

Was kann man denn daran nicht gut finden?

Die Frage teilt sich in zwei Teile:

Erstens, was spricht gegen die Nutzung erneuerbarer Energien und zweitens was spricht für Atomkraft? In meinem bisherigen Weltbild gab‘s eigentlich jeweils nur die Antwort: „Nichts“. Aber ich will mich ja von meinem eigenen Gedankengerüst befreien und Platz schaffen für einen pluralistischen Umgang mit diesem Thema.

Die Antwort auf den ersten Teil meiner Frage finde ich sozusagen direkt vor meiner Haustür.

In ziemlich genau 700 m Entfernung sollen mehre Windräder gebaut werden. Wie üblich bei solchen Vorhaben hat sich eine Bürgerinitiative gebildet, die sich gegen den Bau der Windräder positioniert. Das Thema spaltet natürlich die Gemüter – auch innerhalb meiner Familie. Mein Vater ist für den Bau. „Irgendwo muss der Strom ja her kommen“. Meine Mutter ist eine der Hauptaktivistinnen der Bürgerinitiative. Ich rechne schwer damit, dass sie sich an die Bäume ketten wird, die gefällt werden müssen, sollten die Windräder gebaut werden. Und ich? Ich bin ja jetzt Pluralist – schöne Umschreibung für „Ich bin unschlüssig“.

Als Argumente gegen die Windräder werden natürlich der Vogelschutz und der Lärmschutz angebracht. Ganz viele Menschen, die um mich herum wohnen, werden plötzlich zu Vogelliebhabern. Kreist ein roter Milan über den Wiesen, flippen alle aus. „Milan-Dichtezentren“ sind per se von der Nutzung für Windkraft ausgenommen. Die Windräder, die bei uns gebaut werden sollen, sind besondere: Sie sind besonders hoch, daher auch besonders laut. Das liegt daran, dass es bei uns eigentlich kaum windet. In 150 m Höhe dann aber eben doch und deshalb sind auch die Windräder so hoch. Die Gegner sagen jetzt, dass die Windstärken auch in 150 m Höhe bei uns nicht ausreichen würden um genügend Strom zu produzieren. Man könnte meinen, die EnBW, die diese Windräder bauen und nutzen soll, denkt da ökonomisch und baut doch kein Windrad, dass nachher kaum Strom liefert. Allerdings ist die Lage in Deutschland wohl  im Moment tatsächlich so, dass sich ein Großteil der Windräder lohnt, egal ob sie laufen oder nicht. Windkraft wird im Moment so stark subventioniert, dass auch stillstehende Windräder ertragreich sein könen…

Seit ich selbst betroffen bin, bin ich also nicht mehr ganz so vorlaut, wenn es darum geht, dass so ein paar Windräder ja wohl nicht so schlimm sein können.

Auf unserem Dach sind zwar Solaranlagen, eine liefert warmes Wasser, die andere Strom. Scheint die Sonne nicht, haben wir eine Holzscheitverbrennungsanlage im Haus. Sie verbrennt besonders gut, hat Öko-Siegel auf höchstem Niveau und war sehr teuer. Sie liefert warmes Wasser für Heizung und aus dem Wasserhahn. Wir sind also unabhängig von Erdgas und Öl. Und das Ganze ist, wenn man davon absieht, dass das Holz transportiert und gesägt werden muss, CO2-neutral. Unsere einzigen Nachbarn machen das genauso. Totale energetische Autarkie! Hört sich ja erst mal toll an. Ein blöder Nebeneffekt: Die Verbrennung von Holz produziert Feinstaub und zwar nicht ganz wenig. Je nach Windlage kann die Feinstaubbelastung bei uns es locker mit der Feinstaubbelastung einer großen Stadt aufnehmen. Diese Form der Autarkie, kann man sich also wirklich nur für sehr dünn besiedelte Regionen vorstellen.

Eine weitere alternative Energiegewinnung, die ganz nebenbei auch die Feinstaubwerte erhöht, ist die Biogasproduktion. Die Wege die Landwirte mit ihren Maschinen zurücklegen um ihre Biogasanlagen zu füttern, sind sehr oft ein Vielfaches von den Wegen, die sie zur Futterherstellung für Tiere fahren. Das liegt daran, dass unter bestimmten Umständen die Energiegewinnung lukrativer ist, als die Futterherstellung. In den letzten Jahren haben viele Landwirte in meiner Umgebung Biogasanlagen errichtet. Eine Folge ist, dass der Druck auf die Flächen enorm zugenommen hat. Die Flächenpreise haben sich dadurch zum Teil vervielfacht. Ein Landwirt, der die Flächen zur Herstellung von Futter für Milchkühe nutzen möchte, kann da kaum mithalten. Mit den Einnahmen aus dem Milchverkauf sind solche Preise nicht zu bezahlen. Mit dem Verkauf von Energie schon. Eine von Kühen beweidete und maximal 2 Mal pro Jahr gemähte Wiese hat eine viel höhere Biodiversität als eine für Biogas genutzte Fläche. Zur Gewinnung von Biogas benötigt man vor allem Mais. Mais kann in unseren Breiten nur mit sehr hohem Aufwand von Düngemitteln und Pestiziden angebaut werden. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der Vermaisung der Landschaft.

Natürlich gibt’s noch andere Möglichkeiten der regenerativen Energiegewinnung. Aber diese drei Beispiele erlebe ich hautnah und sie sind keineswegs nur positiv.

Jetzt zum zweiten Teil der Fragestellung: Was spricht für Atomkraft?

Die erste einfache Antwort: Sie ist CO2-neutral. Klimaschutz wäre also mit Hilfe von Atomkraft deutlich einfacher. Das große Problem der Endlagerung und der Sicherheit vor Unfällen wird in Deutschland viel deutlicher gesehen als in anderen Ländern. Selbst Japan, das eine Erfahrung mit einem schlimmeren Atomunfall hatte, baut seine atomare Energiegewinnung aus. So gut wie alle unsere Nachbarstaaten auch. Ingenieure, die sich damit beschäftigen, sagen, dass wenn all das Geld, das in die Energiewende gesteckt wird, für die Forschung im Bereich atomarer Energiegewinnung genutzt würde, sowohl das Endlagerproblem gelöst, als auch das Sicherheitsrisiko minimiert werden könnte. Ich bin leider kein Physiker, ich kann also alles was ich dazu gelesen habe nicht beurteilen. Die Ergebnisse meiner Recherche lassen sich aber folgendermaßen zusammenfassen: Sowohl Russland als auch Frankreich forschen schon seit mehreren Jahrzehnten am sogenannten „schnellen Brüter“. Schnelle Brüter unterscheiden sich deutlich von den weltweit am weitesten verbreiteten Leichtwasserreaktoren. Sie spalten den Brennstoff Plutonium und erzeugen so Wärmeenergie. In den Leichtwasserreaktoren wird dagegen Uran eingesetzt. Für die schnellen Brüter ist der Abfall der Energiegewinnung aus Leichtwasserreaktoren, nämlich angereichertes Uran, ein Rohstoff zur Brennstoffherstellung.

In einer Wiederaufarbeitungsanlage wird Uran und Plutonium vom wirklichen Atommüll getrennt. Was laut meinen Quellen einen entscheidenden Vorteil hat: Was übrig bleibt strahlt nur noch ein paar 100 statt 100.000 Jahre. Wenn dieser schnelle Brüter also tatsächlich so funktionieren würde, wie sich die Forscher und Ingenieure das erhoffen, würde er also sogar das Problem der Endlagerung deutlich verringern, wenn nicht sogar lösen.

Schnelle Brüter gelten wegen der Plutoniumnutzung als besonders gefährlich. Sie haben wohl allerdings einen großen Vorteil: Wenn die Pumpen ausfallen, die das Natrium umwälzen, schaltet sich der Reaktor ohne Zutun von Menschen oder Sicherheitssystemen ganz allein ab.

Das Plutonium, das die Russen in ihrem „schnellen Brüter“ in Beloyarsk verwenden stammt übrigens aus verschrotteten Atomwaffen. Davon haben sie angeblich ziemlich viel.

Meine Quelle für die Informationen zum schnellen Brüter stammen größtenteils aus einem Artikel von Wolfgang Kempkens1, den er auf www.ingenieur.de geschrieben hat.

Wie wünsche ich mir jetzt also eine zukünftige Energiegewinnung? Rein aus dem Bauch heraus würde ich trotz all dieser Informationen lieber die laute Windkraftanlage, die Biogas-Monokulturen und die durch die Holzverbrennung mit Feinstaub belastete Luft in meiner näheren Umgebung haben. Das Atomkraftwerk bleibt mir einfach unheimlich. Und der Gedanke, dass sich der Spielplatz meiner Kinder auf einem Atommüllendlager befindet, ist doch eher unschön. Die Frage ist, ob es bei diesem Thema wirklich sinnvoll ist, aus dem Bauch heraus, der einer Angst vor dem bösen Unbekannten (Atomkraftwerk) nachgebend, zu entscheiden?

1 http://www.ingenieur.de/Fachbereiche/Kernenergie/Schneller-Brueter-in-Russland-laeuft-jetzt-voller-Leistung (13.5.2017)

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1 comment

  • Am 9. Juli morgens zwischen 4 und 6 machten Kernenergie, Braun- und Steinkohle, Gas und Öl 70% der Stromproduktion aus. Wenn die Kernenergie in 3 Jahren wegfällt, kommt der Strom entweder aus tschechischen oder französischen AKWs oder aus Kohle, also aus weniger sicheren AKWs hinter der Grenze oder es wird mehr CO2 bei uns produziert. Auf der Seite energy-charts.de von Fraunhofer kann man die Stromproduktion genau und anschaulich für jede Stunde ansehen – auf „alle Quellen“ und auf „Prozent“ klicken.

    Dafür zahlen wir mit die höchsten Strompreise in ganz Europa und das nennt sich dann Energiewende.

    Im Juli hatten die Grünen einen Antrag im Stuttgarter Landtag, ob und wie man „Altanlagen“, Wind-, Solar- und Biogasanlagen, die schon 20 Jahre fett Subvention bekommen haben, nicht doch weiter fördern könnte – wie der Junkie, der 20 Jahre Stoff für umme bekommen hat und jetzt mit zitternden Knien um den nächsten Schuss bettelt.

    Um der Forschung und dem Markt der „Erneuerbaren“ mehr Zeit zu geben und um nicht ökonomisch Harakiri zu begehen, fordert die AfD ein zehnjähriges Moratorium für unsere AKWs – trotz meiner grünen Vergangenheit traue ich denen, daß sie zu den sichersten der Welt gehören.

    Der deutsche Schnelle Brüter steht übrigens in Kalkar, wurde nie angefahren und ist heute ein Freizeitpark.

    https://energy-charts.de/power_de.htm?source=all-sources&month=7&year=2017
    http://www.landtag-bw.de/files/live/sites/LTBW/files/dokumente/WP16/Drucksachen/2000/16_2132_D.pdf

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