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Referendum in Irland. Ein historischer Sieg in Sachen Frauenrechte. Geweint wird auf beiden Seiten.

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Die Tränen der Erleichterung. Als am letzten Samstag 66% der Iren für eine Liberalisierung des Abtreibungsverbots stimmten, flossen sie. Irland hatte eines der härtesten Abtreibungsgesetze in Europa und das wurde jetzt von einer breiten Mehrheit der Stimmbürger abgewählt.

Frauen, die abtreiben wollten, drohte in Irland bis zu 14 Jahre Gefängnis. Nicht einmal bei Schwangerschaften in Folge von Vergewaltigung wurden Ausnahmen gemacht. Selbst wenn das Leben der Mutter in Gefahr war, wurden Abtreibungen erst seit 2013 erlaubt. Das strikte Verbot führte zu einem Abtreibungstourismus in die europäischen Nachbarländer. Aber natürlich nur für die, die es sich leisten konnten. Die anderen ergaben sich ihrem Schicksal oder behandelten sich selbst – und gingen dabei ein hohes gesundheitliches Risiko ein.

Die irische Regierung kündigte jetzt an, bis Ende des Jahres ein Gesetz auf den Weg zu bringen, dass einen Schwangerschaftsabbruch in den ersten zwölf Wochen straffrei erklärt. Bei bestimmten Indikationen soll eine Abtreibung bis zur 24. Woche erlaubt sein.

Das Recht auf Schwangerschaftsabbruch ist nicht nur in Irland ein Thema. Auch in Deutschland wird derzeit die Gesetzgebung scharf kritisiert.

Situation in Deutschland

Denn auch in Deutschland gilt nach dem Paragrafen §218 im Strafgesetzbuch ein Schwangerschaftsabbruch als Straftatbestand. Dieser gilt zwar als aufgehoben, wenn man als Frau die Teilnahme an einer Schwangerschaftsberatung nachweisen kann und der Abbruch innerhalb der ersten zwölf Schwangerschaftswochen durchgeführt wird, dennoch bleibt die Tatsache: Als Frau macht man sich strafbar, wenn man abtreibt.

Ebenfalls unter Beschuss steht das Werbeverbot für Ärzte bezüglich Schwangerschaftsabbrüche – geregelt im Paragrafen §219a StGb. Anlass dafür war eine Geldstrafe, die im November 2017 gegen die Gießener Ärztin Kristina Hänel verhängt worden war, weil sie auf der Homepage ihrer Arztpraxis über ihr Angebot von Schwangerschaftsabbrüchen informiert hatte. Laut Gesetz ist es untersagt, einen Schwangerschaftsabbruch oder Mittel, die eine Abtreibung befördern, „anzubieten, anzukündigen oder anzupreisen“ – wenn dies in „grob anstößiger Weise“ oder aus kommerziellem Interesse geschieht. Im Bundestag wird seit längerem schon über eine Streichung bzw. Reformierung des Paragrafen beraten, SPD und Union sind sich allerdings uneinig.

Werbeverbot und Straftatbestand tabuisieren das Thema und erschweren den Zugang zu Informationen und medizinischen Möglichkeiten für Betroffene. Die Gesetzeslage sorgt dafür, dass in Deutschland nur wenig geforscht wird im Bereich der Reproduktion/Abbruchverfahren, Lehrstühle an den Unis dadurch unattraktiv werden und verwaisen. Immer weniger Gynäkologen spezialisieren sich auf das Thema oder können eine gute Ausbildung vorweisen. Darunter leidet natürlich zum einen die Qualität der Behandlung aber auch die flächendeckende Versorgung in Deutschland, Distanzen zum nächsten fähigen Gynäkologen werden immer länger.

Ich finde das bedenklich und sehe definitiv Handlungsbedarf. Jährlich lassen 100.000 Frauen einen Schwangerschaftsabbruch durchführen. Jens Spahn, unser neuer Gesundheitsminister, muss sich hier dringend etwas überlegen. Alle Frauen, die sich für einen Abbruch entscheiden, haben das Recht auf eine gute medizinische Versorgung – und zwar wohnortnah und nach dem neuesten Stand der Technik.

Aber müssen wir mehr fordern? Zum Beispiel die Tatsache, dass das Recht auf Selbstbestimmung einer Frau über ihren eigenen Körper nicht als Straftat gelten kann? Müssen wir die Aufhebung dieser Tabuisierung fordern?

Hier herrscht ausnahmsweise mal Konsens unter FrauenrechtsaktivistInnen. Gemeinschaftlich wird eine Enttabuisierung gefordert. Als Vorbild für eine weitere Liberalisierung dient Kanada, wo Frauen das uneingeschränkte Recht auf Abtreibung genießen – ganz ohne verpflichtende Beratung und auch ohne zeitliche Einschränkung bzgl. Schwangerschaftswochen.

Ich kann mich dem nicht anschließen. Die durch unsere Gesetzgebung entstehende Hürde stellt für mich auch einen gewissen Schutz vor einer leichtfertigen Entscheidung dar. Ich denke zwar nicht, dass sich irgend eine Frau so eine Entscheidung leicht machen würde, dennoch steckt man doch, wenn man ungewollt schwanger wurde, in einer Notlage und tendiert zu einer emotionalen, subjektiven und situationsgebundenen Entscheidung. Eine verpflichtende Schwangerschaftsberatung und die Begrenzung auf die ersten zwölf Schwangerschaftswochen finde ich deswegen prinzipiell richtig.

Wir sprechen hier nicht von irgend einem Frauenrecht, sondern dem Recht, Leben zu verwehren.

Wir sprechen hier eben nicht von irgend einem Frauenrecht, sondern dem Recht, Leben zu verwehren. Natürlich gefällt auch mir die Sache mit dem Straftatbestand nicht, aber mir ist auch bewusst, dass Gesetzgebung keine einfache Sache ist – vor allem dann nicht, wenn man zwei Rechten nachkommen will. Dem Recht auf Selbstbestimmung und dem Recht auf Leben. Mir scheint, dass damals ein guter Kompromiss in einer sehr schwierigen Sachlage gefunden wurde.

„Was würdest du machen, wenn du jetzt schwanger werden würdest?“. Diese Frage habe ich mir mit meinen Freundinnen früher öfters mal gestellt. Meine Antwort damals war (mit 20,25): Ich würde abtreiben. Weil ich einen Plan für mein Leben habe. Erst die Ausbildung, dann toller Job und dann Ausland, Ausland, Ausland!! Erst dann, wenn ich alt bin (damals war alt für mich 32), kriege ich Kinder. Ich war fest davon überzeugt, dass ich eine unglückliche, vorwurfsvolle und damit schlechte Mutter werden würde, wenn ich mir jetzt von einem Kind meine Pläne durchkreuzen lassen würde.

Der Kelch ging glücklicherweise an mir vorüber, ich wurde nicht ungewollt schwanger. Aber was wäre gewesen, wenn es doch passiert wäre… ich kann nur hoffen, dass mich mein Umfeld inklusive der Beratungsstelle besser beraten hätte als ich mich selbst. Erst jetzt, da ich selbst Kinder habe, begreife ich dieses Geschenk, dieses Wunder des Lebens. Dieses Glück, dass jeden Kompromiss im Leben rechtfertigt.

Ich sehe auch die Verantwortung, die wir als Frauen tragen. Ob uns das gefällt oder nicht, wir sind nun mal die Kategorie Mensch, in der Leben entsteht. Wenn wir das Recht auf Leben in den Schatten unserer individuellen Frauenrechte stellen, dann werden wir unserer Verantwortung gegenüber der Menschheit nicht gerecht.

Bei allem Zweifel möchte ich dennoch mit dem wichtigsten Satz schließen:

Jeder Mensch entscheidet selbstbestimmt über seinen Körper und das schließt bei Frauen einen Schwangerschaftsabbruch mit ein.

Und deswegen gratuliere ich Irland, für diesen großen historischen Sieg in Sachen Frauenrechte. Ich verstehe eure Tränen der Erleichterung.

Die Liberalisierung des Schwangerschaftsabbruchs wird weitergehen, das ist ziemlich sicher. Ich würde mir allerdings wünschen, dass wir auf diesem Weg sensibel bleiben und die Tränen um das ungeborene Leben nicht vergessen. Tränen um die jährlich 100.000 Kinder in Deutschland, die nie das Licht der Welt erblicken werden.

(Tränen die wir nicht vergießen, ertränken das Herz.)

 

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By Jante
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