KINDERKOMMAZUKUNFT Was tun für die Zukunft unserer Kinder ?!

Schreckgespenst Gentechnik, ein Urteil steht an.

S

Es gibt so ein paar Weisheiten, die für mich gesetzt sind: Bio – Toll! Gentechnik – Schlecht! Monsanto – Ganz ganz böse!

Ich habe überhaupt keinen Plan von Biotechnologie, aber das weiß ich!

Und das „wissen“ auch die meisten Deutschen, weswegen gentechnisch veränderte Lebensmittel keine Chance auf dem deutschen Markt haben – sie werden schlichtweg nicht gekauft. Die großen Supermärkte des Lebensmitteleinzelhandels wie Rewe, Edeka und Lidl haben viel Geld investiert um ihre Eigenmarken unter dem Label „ohne Gentechnik“ vermarkten zu können.

Am kommenden Mittwoch urteilt der Europäische Gerichtshof über ein neues Verfahren in der Biotechnologie namens „Genome Editing“. Die Frage ist, ob „geneditierte“ Produkte unter das Gentechnik-Recht fallen. Das wollen die großen Lebensmittelkonzerne unbedingt, denn dann wären auch diese Produkte unverkäuflich und ihre Investitionen in gentechnikfreie Eigenmarken nicht umsonst gewesen. Zahlreiche Verbände, Lobbyisten beider Seiten interessieren sich für diese Entscheidung. Die konventionelle Landwirtschaft als auch Wissenschaftsakademien hoffen darauf, dass das neue Verfahren nicht unter das Gentechnik-Recht fällt. In „Genome Editing“ sehen sie die Chance, das Thema Gentechnik in der Bevölkerung zu „entdämonisieren“ und auf dem deutschen Markt zu etablieren.

Gentechnik – Eine Technologie und kein Maiskolben.

Was ist das, „Genome Editing“? Um das zu verstehen, sollte ich vielleicht erst einmal in Erfahrung bringen was genau Gentechnik ist. Wo fängt das an und wo hört das auf? Und was genau ist daran „schlecht“? Aus meinem Biologieunterricht von vor 100 Jahren weiß ich schon mal, dass Genmutationen millionenfach in der Natur vorkommen und damit völlig normal sind. Aber während in der Natur als auch bei herkömmlicher Züchtung nur Arten miteinander gekreuzt werden können, die mehr oder weniger verwandt sind, ist es mit gentechnischen Methoden möglich, Artengrenzen zu umgehen: Gene vom Menschen können auf Tiere, von Bakterien auf Pflanzen übertragen werden. Oha. Wenn man das hört, fühlt sich Skepsis ziemlich angebracht an. Hier zwei Beispiele aus der Praxis: Zuerst gentechnisch veränderter Mais. Bei sogenannten „transgenen“ Maissorten werden bestimmte Gene aus anderen Organismen in das Mais-Genom eingeschleust, mit dem Ziel, die Bekämpfung von Schadinsekten zu verbessern sowie dem Landwirt die Unkrautkontrolle zu erleichtern. Derzeit ist der Anbau in Deutschland verboten, aufgrund potenzieller Gesundheits- und Umweltrisiken. Ein anderes Beispiel ist der sogenannte „Goldene Reis“, eine Reissorte, die durch gentechnische Verfahren entwickelt wurde und eine deutlich erhöhte Menge an Provitamin A enthält. Die Idee dahinter: Mit diesem Produkt den Vitamin-A-Mangel von unterernährten Menschen beheben zu können. Jährlich sterben ein bis zwei Millionen Menschen an einem solchen Mangel und es erblinden bis zu 500.000 Kinder in der dritten Welt.

Das zweite Beispiel zeigt mir, dass Gentechnik mehr ist als ein überdimensionaler Maiskolben. Sie ist Wissenschaft. Als Teilgebiet der Biotechnologie bringt sie neue wissenschaftliche Erkenntnisse und technologischen Möglichkeiten hervor. Befürworter verweisen auf die Rolle der Gentechnik als „Schlüssel­technologie“ beim Kampf gegen Armut und Hunger.

Gerade bei der Bewertung neuer Technologien bedarf es einer rationalen Bestandsaufnahme, Für und Wider müssen gegenübergestellt werden. Bei meiner Recherche bin ich dabei auf ein ziemlich starkes „Für“ gestoßen:  Innerhalb der Europäischen Union haben sich in den letzten 25 Jahren über 500 unabhängige Forscherteams mit möglichen Risiken der Gentechnik auseinandergesetzt. Dafür wurden über 300 Millionen Euro investiert. In keiner dieser Untersuchungen konnten negative Auswirkungen festgestellt werden, weshalb die EU-Kommission zu dem Schluss kam, „dass es bisher keine wissenschaftlichen Hinweise darauf gibt, dass gentechnisch veränderte Organismen eine größere Gefahr für die Umwelt oder die Lebens- und Futtermittelsicherheit darstellen als herkömmliche Pflanzen und Organismen.“

Genome Editing

Kommen wir jetzt zum „Genome Editing“, über das der Europäische Gerichtshof am Mittwoch sein Urteil fällt. Dieses biotechnologische Verfahren ermöglicht es, natürliche Mutationen künstlich vorzunehmen – scheinbar punktgenau. Durch die neuen Methoden sind die Ergebnisse gentechnischer Eingriffe denen natürlicher Veränderungen immer ähnlicher bis hin zu nicht mehr unterscheidbar. Es enstehen also gentechnisch veränderte, aber naturidentische Pflanzen, die theoretisch damit auch das Produkt herkömmlicher Züchtung sein könnten.

Für das Gericht aber auch für uns stellt sich damit die brisante Grundsatzfrage: Muss auch eine naturidentische Pflanzensorte die strengen Risikoprüfungen durchlaufen und der Kennzeichnungspflicht unterliegen, nur weil sie mithilfe von Gentechnik entstanden ist?

Eine Befürwörterin der „grünen“ Gentechnik ist die ehemalige Bundestagsabgeordnete Kristina Schröder. Für sie gehört zu einer rationalen Bestandsaufnahme auch, dass wir uns folgendes bewusst machen: „Gentechnik ist längst Teil unserer Lebenswirklichkeit. Würde man in Deutschland alle Lebensmittel kennzeichnen, die während ihrer Produktion mit Gentechnik in Berührung gekommen sind, wären dies schätzungsweise zwischen 70 und 85 Prozent. Das betrifft […] eine Reihe wichtiger Medikamente, fast alle Baumwolltextilien, Putz- und Reinigungsmittel […]. Ich befürworte daher eine vollumfängliche Prozesskennzeichnung für alle Lebensmittel und Konsumgüter, bei deren Produktion an irgendeiner Herstellungsstufe gentechnisch veränderte Organismen beteiligt sind. Denn nur so ist eine vollständige Aufklärung der Verbraucher möglich! Warum aber wird so eine Prozesskennzeichnung ausgerechnet von denen heftig bekämpft, die stets vor den Gefahren der Gentechnik warnen? Auf den ersten Blick paradox, auf den zweiten logisch: Denn wenn tatsächlich über 70 Prozent unserer Lebensmittel dieses Label trügen, gäbe es drei Wochen Aufregung und das Thema wäre danach erledigt.“

Im folgenden 6-minütigen Video nimmt Kristina Schröder Stellung, auch zur Übernahme von Monsanto durch den deutschen Konzern „Bayer“:

Mein Fazit

Ich kann zwar Vorbehalte gegenüber gentechnisch veränderten Lebensmitteln haben, aber keinesfalls grundsätzlich „gegen Gentechnik“ sein. In jeder Technologie steckt Fortschritt und den kann und will ich nicht aufhalten. Skepsis ist angebracht, aber die Hysterie nicht. Speziell in „Genome Editing“ sehe ich persönlich überhaupt kein Problem. Für mich ist das nichts anderes als Züchtung mit deutlich erhöhter Erfolsquote. Züchtung 2.0 sozusagen.

Mit der Gentechnik ist es wie mit vielen anderen Themen. Es werden Ängste geschürt, denen wir durch fehlendes Hintergrundwissen erlegen sind. Das einzige was dagegen hilft: Sich informieren. Ein wichtiger Grundsatz, den ich auch meinen Kindern einhämmern werde.

Ich empfehle euch folgende Artikel über die aktuelle Debatte:

https://www.zeit.de/2018/30/europaeischer-gerichtshof-luxemburg-gentechnik

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/gentechnisch-veraenderte-lebensmittel-herr-weigel-fuehrt-die-gruenen-vor-a-1205755.html

 

 

About the author

Add comment

By Jante
KINDERKOMMAZUKUNFT Was tun für die Zukunft unserer Kinder ?!

INHALTE

Dag

Jante

Kategorien

Neueste Beiträge

Folge uns