KINDERKOMMAZUKUNFT Was tun für die Zukunft unserer Kinder ?!

Warum meine Kinder keine Mathe-Nachhilfe bekommen…

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Die Nachfrage nach Nachhilfeunterricht ist wachsend. Mindestens jeder dritte Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren erhält verschiedenen Studien zu Folge Nachhilfe. Interessanterweise hat der größte Teil der Schüler/innen, in dem Fach in dem Nachhilfe beansprucht wird, eine 2 oder eine 3. Initiatoren der Nachhilfe sind in der Regel die Eltern und nicht die Kinder selbst. Viele Eltern wünschen für ihr Kind den höchst möglichen Schulabschluss und damit eine gute Zukunftsperspektive.

Neulich hatte ich ein Elterngespräch. Die Tochter geht montags nach dem Nachmittagsunterricht Klavierspielen. Dienstags macht sie von 14.00 bis 16.30 Hausaufgaben oder wiederholt gemeinsam mit Ihrer Mutter den Schulstoff. Danach hat sie „Freizeit“. Mittwochs Hausaufgaben, anschließend Reiten. Donnerstags Nachmittagsunterricht, anschließend Nachhilfe bis 17.30. Freitags fängt das Papa-Wochenende an. Die restlichen Hausaufgaben macht sie dann gemeinsam mit dem Papa…

Die Karriereplanung des eigenen Kindes beginnt für viele Eltern schon in der Grundschule. Gibt man bei Google „Nachhilfe“ ein, stößt man zum einen auf unzählige Nachhilfeangebote. Andererseits aber auch auf Seiten wie „Karrierewelt Schule“ oder „Lerntipps für Eltern“. …Da schüttelt‘s mich!

Erstens: Schule ist keine Karrierewelt und zweitens: Eltern brauchen keine Lerntipps. Regelmäßig habe ich in Elterngesprächen Eltern vor mir, die völlig verzweifelt sind, weil „wir (also die Eltern und das Kind) doch alles gegeben haben“. Gemeinsames Hausaufgaben machen, Nachhilfe, gemeinsames mentales Training vor dem zu Bett gehen…eine Mutter hatte mehrere Bücher über Lernpsychologie gelesen! Das Kind geht zur Schule und nicht die Eltern. Ich frage mich, wie sich ein Kind fühlt, dass eine schlechte Note schreibt, obwohl seine Mutter/Vater „alles gegeben“ hat? Wie ein Versager vielleicht, das seine Eltern, die sich so sehr bemühen, enttäuscht? Wie fühlt sich ein Kind, dessen schulische Leistungen seinen Eltern so wichtig sind? Ist es gleich viel wert wie ein guter Schüler? Mein Eindruck ist auch, dass ein gut funktionierendes Schulkind gerne im Kreis der Verwandten und Bekannten als Qualitätsmerkmal der eigenen Erziehung präsentiert wird.

Ich kann mich während meiner eigenen Schulzeit daran erinnern, dass manche Eltern mit den guten Noten ihrer Kinder geprahlt haben. Meine Mutter hat da nie mitgemacht. Ich habe sie mal gefragt, ob sie eigentlich nicht stolz auf mich und meine guten Noten sei? Die Antwort meiner Mutter: „Was hast du denn für Noten?“. Am Tag meines Deutschabiturs hab ich mir ein ziemlich großes Vesper gemacht, um 5 Stunden Deutschaufsatz ohne Unterzucker zu überstehen. Meine Mutter hat das beobachtet und mich gefragt, was ich denn heute vorhabe. „Mami, deine Tochter schreibt heute Deutschabitur!!“ Sie dachte wir hätten Wandertag…Ich war damals genervt und hätte mir gewünscht, dass sie das mehr interessiert hätte. Aber ihr regelmäßig formuliertes Erziehungsziel war: „Ich will Kinder, die glücklich sind und andere Menschen glücklich machen“. Gute Noten hatten aus ihrer Sicht mit diesem Ziel nichts zu tun. Schule ist für sie in erster Linie interessant, der Wissenserwerb steht im Fokus. Wissen anzuhäufen, findet sie, macht Spaß, welche Noten dabei herausspringen, war ihr egal. Um ihr Erziehungsziel zu erreichen, waren die Noten sehr nebensächlich. Es gibt glückliche Ärzte aber auch glückliche Arzthelferinnen genauso wie unglückliche Dachdecker und unglückliche Physikerinnen. Jetzt hatte sie das Glück, Töchter zu haben, die trotz dieser Laissez-faire-Haltung ihre Schullaufbahn im Großen und Ganzen erfolgreich gemeistert haben. Was hätte sie gemacht, wenn unsere Versetzung gefährdet gewesen wäre? Vielleicht waren wir aber auch nicht trotz sondern wegen ihrer sehr laxen Haltung zur Schule erfolgreich. In jedem Pädagogikbuch lesen wir Lehrer, dass eigentlich nur intrinsisch motivierte Schüler wirklich in der Lage sind effektiv zu lernen. Also Kinder, die nicht wegen einer Bestrafung oder für eine Belohnung lernen, sondern von sich selbst heraus motiviert sind. Weil sie den Lerngegenstand interessant oder herausfordernd empfinden. Wenn Kinder also lernen, weil ihre Eltern das wollen, ist das nach vorherrschender Lehrmeinung sowieso nicht besonders zielführend.

Außerdem glaube ich, dass Kinder, die das Gefühl haben, ihre Eltern auch ohne Abitur stolz zu machen, vielleicht die glücklicheren sind. Damit wären wir wieder beim Erziehungsziel meiner Mutter.

Ich will auch glückliche Kinder. Deshalb werde ich meinen Kindern keine Nachhilfe organisieren bzw. selbst geben. Klar, wenn sie mich fragen, ob ich ihnen irgendwas erklären kann, werde ich nicht Nein sagen. Ich werde ihnen aber sicher nicht über Wochen oder Monate hinweg zusätzlichen Schulunterricht verpassen. Aus meiner Sicht als Lehrerin bietet die Schule genügend Möglichkeiten, den Stoff zu bewältigen. Wenn das nicht reicht, weil meine Kinder zu unmotiviert oder auch einfach intellektuell nicht in der Lage sind, dann müssen sie es eben mit einer anderen Schulart versuchen. Ein Real- oder auch Hauptschulabschluss (in BW heißt das inzwischen Werkrealschulabschluss) ist kein Beinbruch!

Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass ich das dann auch durchziehe, wenn die erste 5 im Zeugnis einer meiner Kinder steht…ich habe es aber fest vor!

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By Dag
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