KINDERKOMMAZUKUNFT Was tun für die Zukunft unserer Kinder ?!

Was machen wir morgen?

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„Was machen wir [und unsere Kinder] morgen?“ 1 Diesen Titel trägt ein Artikel der Zeit.

Seit der Mensch existiert, versucht er sich die Arbeit durch Rationalisierung und den Einsatz von Maschinen zu erleichtern. Ein Beispiel: die Erfindung des Pfluges. Das Pflügen eines Ackers mit Hilfe von Pferden oder Rindviechern hat dazu geführt, dass die Fläche, die der Mensch mit gleichem Zeitaufwand bewirtschaften konnte, wuchs und er sich somit besser ernähren konnte. Die Produktivität wurde also gesteigert und damit auch der Wohlstand. Betrachtet man diese Prozesse langfristig und großflächig, dann gilt das auch für verschiedenste andere Erfindungen der letzten Jahrhunderte bis heute. Zwar wurden durch verschiedene Innovationen oft auch Arbeitsplätze vernichtet. Dafür entstanden aber durch die Produktivitätssteigerung auch an anderer Stelle immer wieder neue. Gesamtgesellschaftlich betrachtet geht es uns heute besser als vor hundert Jahren. Wir haben das bessere Gesundheitssystem, die bessere soziale Absicherung, wir leben länger. Wir besitzen viel mehr Güter als alle Generationen vor uns. Und das alles, obwohl die Zeit, die wir in unserem Leben arbeitend verbringen, immer kürzer wird. 1825 betrug die durchschnittliche Arbeitszeit 82 Wochenstunden. Gearbeitet wurde an 6 Tagen in der Woche. Heute arbeiten wir durchschnittlich um die 40 Stunden und gehen auch noch früher in Rente.2

Die Frage, die sich stellt: Wiederholt sich die Geschichte? Wird unsere Arbeitszeit weiter sinken, der Wohlstand aber trotzdem zunehmen? Oder ist die Digitalisierung nicht vergleichbar mit anderen technischen Neuerungen? Wird der Einsatz von künstlicher Intelligenz Millionen Arbeitsplätze ersetzen? Wie wird unsere Gesellschaft das verkraften?

Die Autoren des Artikels zitieren dutzende großer Studien zur Frage, ob Roboter, Automaten und intelligente Computerprogramme menschliche Arbeit überflüssig machen. So prognostiziert zum Beispiel das Global Institute von McKinsey, dass bis zu einem Drittel der deutschen Berufstätigen bald eine neue Beschäftigung finden müssen.

Die Autoren entwerfen als Folge der Digitalisierung zwei mögliche Szenarien. Ein positives Szenario, vielleicht eine Utopie, und ein negatives Szenario, das Gegenteil einer Utopie: Eine Dystopie.

Starten wir mit der Dystopie und springen mit den Autoren in das Jahr 2025.

Das autonom fahrende Auto ist serienreif. Es wird in Massen produziert und fahrerlose Fahrzeuge ersetzen über eine Million Taxifahrer, Busfahrer, Lieferanten, Chauffeure, Lkw- und Gabelstaplerfahrer in Deutschland.

Zeitgleich baut die Industrie selbst massenhaft Stellen ab. Denn die Produktion ist nun überall konsequent digitalisiert und vernetzt. Dadurch ist eine noch höhere Stufe der Automatisierung möglich.

Schon zuvor konnten Autokäufer daheim am Computer wählen, wie viele Speichen das Rad ihres neuen E-Klasse-Mercedes haben soll. Nun, in der total vernetzten Welt, löst der entsprechende Bestellungsklick eine Kaskade vollautomatischer Prozesse aus: Die Software ordert beim Zulieferer die Speichen, sie wickelt die Zahlung ab, übernimmt die Buchhaltung, bestellt den autonom fahrenden Lkw, der die Teile beim Lieferanten abholt und an das Transportsystem der Factory 56 übergibt. Und sie sorgt dafür, dass die Bauteile exakt zum richtigen Zeitpunkt am Fließband ankommen, wo die vorinformierten Maschinen sie genau in jenes Fahrzeug einbauen, das nach den Wünschen des Kunden konfiguriert wurde. Kein Mensch kümmert sich mehr um Bestellungen.

2025 übernimmt die künstliche Intelligenz also auch auch massenhaft Arbeit von Büroangestellten. Der Hausjurist vieler Firmen heißt jetzt Lawgeex, er ist eine Art virtueller Anwalt. Es gibt ihn auch als „persönlichen Justiziar“ für den privaten Bedarf. Die US-Firma Lawgeex bewies schon bei einem Wettbewerb 2018, dass der von ihr entwickelte Algorithmus Verträge schneller und genauer auf Schwachstellen prüfen kann als ein durchschnittlicher menschlicher Anwalt.

Es sind also sehr unterschiedliche Berufsbilder, die von der neuen Automatisierungswelle betroffen werden.  Allerdings sind nicht alle Berufe gleich stark gefährdet.

Softwarespezialisten, Robotertechniker und Ingenieure sind 2025 extrem gefragt. Sie arbeiten mehr und länger als früher. Und weil die von ihnen entwickelten Algorithmen und Geräte immer besser und leistungsfähiger werden, wird in ihren Branchen mehr verdient als je zuvor die richtige Qualifikation vorausgesetzt. Da können die Millionen Taxifahrer, Lkw-Fahrer und Bäcker nicht aufholen. Sie drängen deshalb in die Dienstleistung nah am Menschen, die kein Roboter erledigt: als Erzieher, Altenpfleger, Kindermädchen. Aber in diesen Berufen gibt es nur wenig zu verdienen, weil sich die Produktivität dieser Arbeit nicht durch Technik erhöhen lässt und die Bewerber nun massenweise um solche Jobs konkurrieren. So fallen ihre Löhne. Es setzt sich fort, was schon zuvor zu beobachten war: die Spaltung des Arbeitsmarkts. Die Kluft zwischen arm und reich nimmt rasant zu, damit auch soziale Unruhen. Der gesellschaftliche Zusammenhalt ist gefährdet.

Wenn unsere Kinder „Glück“ haben, werden sie auf der Gewinnerseite stehen. Sie werden und vielleicht zum kleineren, wohlhabenden Teil der Gesellschaft gehören, in einer gated Community leben. Abgezäunt, geschützt vor dem Mob der Verlierer. Sehr schlecht bezahlte Menschen werden die wenigen Tätigkeiten verrichten, die nicht ein Roboter für sie erledigt. Oder sie stehen auf der anderen Seite. Schlecht bezahlt, ohne Aufstiegschancen, perspektivlos…

Nun zum positiven Szenario. Es lässt sich mit den Worten „weniger Arbeit, mehr Leben“ zusammenfassen.

Weil Maschinen einen Großteil der Arbeit übernehmen, arbeiten wir zum Einen natürlich weniger. Und wenn wir arbeiten, nach anderen Kriterien: gemeinschaftlich und selbstbestimmt. Sollten nicht viel mehr Lehrer beschäftigt werden in einer Gesellschaft, die sich dauernd weiterbilden muss? Sollte nicht auch in Lebensqualität investiert werden statt in blinde Markteroberung?

Gemeint ist eine Welt mit weniger Arbeit – und mit mehr Aufgaben. Dafür müsste die Politik gestalten, statt bloß zu verwalten. Die Schulen müssten die Kinder auf ein bewegteres Leben vorbereiten, in dem jeder sich selbst weiterentwickeln und initiativ werden kann. Mentorenprogramme müssten Ältere bei der Weiterentwicklung und Umorientierung unterstützen. Am Ende stünde ein ganz anderer gesellschaftlicher Konsens, einer, der Arbeiten wie der Pflege und der sozialen Hilfe, dem Einsatz für eine saubere Umwelt oder für einen fairen Umgang mit Daten einen deutlich höheren Stellenwert beimisst als heute. Wie eine solche Welt aussehen könnte, beschreibt zum Beispiel der Ökonom Niko Paech in seinem Vortrag „Postwachstumsökonomie in 20 Minuten“. Man kann sich ihn auf you tube anschauen kann (https://www.youtube.com/watch?v=jv7EgsjT3f0).

Bleibt also die Frage: Was machen unsere Kinder morgen? Das hängt in erster Linie davon ab, wie Politik und Gesellschaft – also wir – weiterhin die digitale Revolution gestalten werden.

 

1 https://www.zeit.de/2018/18/zukunft-arbeit-kuenstliche-intelligenz-herausforderungen

2 Statistisches Bundesamt

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By Dag
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