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Was meine Wanderung durch die Schweiz mit den Ernteausfällen der norddeutschen Landwirte zu tun hat

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Vor ein paar Jahren bin ich im Sommer sechs Wochen mit meinem Hund und einem Zelt durch die Schweiz gewandert. Einmal von Westen nach Osten. Ich hab mir in diesen sechs Wochen genau zwei warme Mahlzeiten gegönnt. Ansonsten habe ich mich von Käse und Brot ernährt. Das hört sich jetzt vielleicht grauenhaft eintönig an. War es aber nicht. Es gab annähernd täglich einen anderen Käse, weil jede kleine Alm ihren eigenen Käse machte. Natürlich tragen die frische Luft, der Hunger nach vielen Stunden zu Fuß auch dazu bei, dass man ein Käsebrot köstlich finden kann. Trotz allem war es faszinierend, wie die Bauern in den Schweizer Alpen diese steilen Hänge bewirtschaften und unter ökonomisch gesehen sehr ungünstigen Bedingungen so eine Vielfalt an Milchprodukten erzeugen.

Szenenwechsel: In Norddeutschland vertrocknet gerade das Getreide, weil es seit Monaten so gut wie nicht geregnet hat. Manche Landwirte befürchten Ernteausfälle bis zu 70%. Die Bundesländer beraten über Entschädigungszahlungen an die Betriebe.

Was hat jetzt der Schweizer Käse mit vertrockneten Maispflanzen in Deutschland zu tun? Für beides wird staatliche Unterstützung gefordert. Ohne Agrarsubventionen wäre in den Alpen keine einzige Milchkuh unterwegs; ohne Subventionen würde ein großer Teil der deutschen Landwirte nicht mehr produzieren.

Ist es aber richtig, dass eine ganze Branche durch EU-Subventionen und nationale Unterstützung, wie im Falle der Entschädigungszahlungen, gestützt und erhalten wird? Es gibt andere Beispiele, wo der Staat nicht seine schützende Hand über eine ganze Branche gehalten hat. Zum Beispiel die Textilindustrie. Über Jahrzehnte hinweg hat sie tausende von Arbeitsplätzen in Deutschland geschaffen. Gegen die Konkurrenz aus Osteuropa bzw. Asien konnten sich deutsche Unternehmen aber nicht durchsetzen. Heute gibt es so gut wie keine Textilherstellung mehr in Deutschland. Man könnte sagen: Ja und? So funktioniert der Markt. Wenn in Deutschland eben nicht die billigsten T-Shirts hergestellt werden können, sollen es halt andere machen. Wir bauen dafür Autos, darin sind wir ganz gut. Das nennt man dann Arbeitsteilung. Jeder macht das, was er am besten kann und dann wird gehandelt. In der Theorie profitieren davon alle, weil alle Produkte nur unter den besten Produktionsbedingungen hergestellt werden. Der Konsument bekommt also das beste Produkt zum günstigsten Preis.

Gilt das nicht auch für die Landwirtschaft? Wenn andere Länder eben die besseren Anbaubedingungen (Klima, Böden…) haben, dann sollen die doch für die Landwirtschaftliche Produktion zuständig sein. Wir kaufen dann das Getreide von dem Geld ein, das wir durch die Produktion und den Verkauf von Autos oder anderen deutschen Exportschlagern erwirtschaftet haben.

Ich sage: Nein. Die Landwirtschaft ist eine besondere Branche und deshalb bin ich dafür, sie mit Hilfe von staatlichen Zahlungen, also Subventionen, zu stützen und zu schützen. Warum, das haben sehr schön die beiden Landwirte Dr. Willi Kremer-Schillings und Alois Wohlfahrt auf ihrer Seite www.bauerwilli.com/subventionen-abschaffen/ zusammengefasst.

Wenn über Agrarsubventionen diskutiert wird, dann kommt immer sehr schnell das Totschlagargument, dass die europäischen subventionierten Produkte die afrikanischen Märkte schwemmen und deshalb dort die Betriebe zu Grunde gehen. Das ist allerdings sehr, sehr oberflächlich argumentiert. Es ist zwar tatsächlich so, dass Hühnchenteile zu sehr günstigen Preisen in großen Mengen in Afrika landen. Das liegt in erster Linie aber nicht daran, dass sie so stark subventioniert werden. Die Geflügelindustrie wird nicht subventioniert. Lediglich Teile der Futterherstellung. Das macht aber am Endpreis einen sehr geringen Anteil aus. Der entscheidende Punkt ist, dass wir Deutschen fast ausschließlich Hähnchen- bzw. Putenbrust kaufen. Ich denke an den Fitnesssalat mit Hähnchenbruststreifen oder das Putenschnitzel auf dem Grill. An so einem Hühnchen ist aber natürlich nicht nur der Brustmuskel dran, sondern auch allerlei anderes. Das konsumiert der Durchschnittsdeutsche nicht. Also, was tut der Lebensmittelerzeuger mit den ganzen Hühnchenresten? Sie werden zum Teil verbrannt. Allerdings ist das teurer, weil dafür bestimmte Auflagen gelten. Ein Hühnchenlagerfeuer, das dauerhaft die gesamte Nachbarschaft nach verbranntem Fleisch und Federn duften lässt, ist in Deutschland nicht zulässig. Die Entsorgung ist also teuer und kompliziert. Und deshalb ist es billiger, die Hühnchenreste nach Afrika zu transportieren. Wenn wir also die Afrikanische Landwirtschaft schützen wollen, dann sollte wir in erster Linie das gesamte Huhn essen mit Innereinen und allem Drum und Dran und nicht auf die bösen Agrarsubventionen schimpfen. Fallen sie weg, gehen nämlich nicht nur ein paar Arbeitsplätze verloren, sondern auch der Käse auf der Alm, Ferien auf dem Bauernhof und vieles anderes mehr…

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By Dag
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